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Archivieren bis zum 31. Januar 2001
Forum haGalil - Board B:
Bnej Noah: Nicht mehr und nicht weniger...:
Kajin: Archivieren bis zum 31. Januar 2001
Wie immer schreibe ich das nur
für mich und erhebe keinen Anspruch darauf, dass
dieses irgend etwas mit irgendeiner
Religionsauslegung zu tun hat. Kajin und
Hebel Bereschit(Gen) 4 Erst Kajin, dann
Hebel wurden im Garten Eden gezeugt und geboren.
Kajin hatte eine Zwillingsschwester, Hebel
zwei.(RASHI) In NIDDA 30b lese ich über
das Kind, das in den Weltenraum kommt(geboren wird):
auf seinem Kopfe brennt ein Licht, und es scheint
und sieht von einem Ende der Welt bin ans andere
Ende. Auch heißt es hier, dass dem Ungeborenen die
ganze Thora gelehrt wird und bei der Geburt ihm das
Wissen wieder genommen wird. Abgenommen wird ihm nur
der Schwur in dem es heißt: sei gerecht und nicht
g-los. Kajin war Ackerbauer und Hebel
Schafhirte. Kajin brachte dem Ewigen ein Opfer
dar. Nicht etwa eine ausgesuchte Frucht, nein, das
erste beste, was ihm in die Hand kam. Manche sagen
einfach, es war Dreck, andere sagen, es war
Leinsamen. Hebel brachte dem Ewigen auch ein Opfer
dar. Er suchte von den erstgeborenen Schafen das
fetteste Lämmlein aus und brachte es dem Ewigen dar.
Hier werden uns zwei unterschiedliche Charaktere
gezeigt. Kajin ist oberflächlich, egoistisch und
karrieregeil. Hebel handelt mit Bedacht und
Überlegung. Hebel opfert nicht, weil es eben so
Sitte ist, er opfert nur aus einem Grund: sein
Verhältnis zum Ewigen. Warum sind die Brüder so
unterschiedlich? Kajin, der Erstgeborene ist ein
Mutterkind. Sehen wir uns also die Mutter an: Adam
hatte eine Frau, Lilith, die gleichzeitig mit Adam
erstand. In Bereschit 2, 26 lese ich: laßt uns
machen einen Menschen nach unsere ähnlichkeit, und
"sie" sollen bewältigen die Fische..... Also,
"sie" bedeutet mehr als einer. Es waren wie bei den
Tieren immer Paare. Adam und Lilith. Lilith
forderte von Adam Gleichberechtigung, sagte: auch
ich bin wie Du aus dieser Erde geschaffen usw....
Und was macht Adam, der Macho? Er fordert den Ewigen
auf, ihm eine neue unterwürfige Frau zu geben. Und
der Ewige? Der macht das auch noch. War das
eine Kompromißlösung um das gesamte Projekt nicht zu
gefährden? Und so kam Adam an Chawah.
Vordergründig war sie unterwürfig, unterschwellig
flötete sie Adam so lange was ins Ohr, bis sie ihren
Willen durchsetzen konnte. Was dabei herauskam,
wissen wir. Hätte Adam das mit dem Baum
basisdemokratisch diskutiert, uns allen wäre viel
erspart geblieben. Sie war der dominierende Teil
dieser Beziehung. Und dann bekam sie Kajin. Auf ihn
projizierte sie alles, was sie an ihrem Mann
bemängelte. Sie wollte alles richtig machen. Vor
allem sollte er nicht so ein Schluffi werden wie
sein Vater. Was sie heranzog, war ein kleiner
Tyrann. Er bekam alles und das ohne Grenzen.
Als Hebel und seine Schwestern kamen waren es schon
fünf. Zum Glück für Hebel, er war einer von vielen
und konnte soziales Verhalten lernen. Er hatte die
Chance sich normal zu entwickeln. Der
Ewige wendete sich dem Opfer Hebels zu. Rashi
schreibt: "es kam ein Feuer herab". Man könnte auch
sagen, er wurde vom g-ttlichen Funken beseelt. Er
war durch seine Redlichkeit in der Lage den
g-ttlichen Funken aufzunehmen, Kajin aber nicht.
Der Ewige erkannte das, und versuchte mit Kajin zu
reden. Aber was macht der? Er fängt einen Streit mit
Hebel an und erschlägt ihn. Der Neid des
Unredlichen gegenüber dem Erfolg des Redlichen, hat
ihn zerfressen. Was er wollte, war die Seele
von Hebel zu töten. Er fügte Hebel viele Wunden zu,
weil er die Seele nicht finden konnte. Er hat zwar
seinen Körper getötet, nicht aber seine Seele.
Bei diesem Gedanken fällt mir auf: - seit
Jahrtausenden versuchen die Götzenanbeter die
jüdische Seele zu zerstören. Sicher sie haben viele
Körper getötet, nur die jüdische Seele haben sie
damit nicht zerstören können - Irgendwie
sah der Ewige wohl ein, dass er einen Fehler mit
Chava gemacht hatte. Er ließ Kajin am Leben.
Seit dem bekommt der Mensch nicht das, was er will,
sondern das was gut für ihn ist. Bei mir ist das
jedenfalls so, auch wenn ich es meist erst viel
später verstehe. Karsten
Hi Karsten, da deine Mitteilungen Deiner ansicht
nach eh nicht gelesen werden, du aber scheinbar
Ahnung von der jüdischen Religion hast, gib mir
doch mal eine Einführung in Deine Religion. Mich
interessiert vor allem auch die Ausdrücke
richtig zu benützen. Vielleicht hast Du Zeit und
Lust. Gruß oder Shalom Walter
Hallo Walter, >du aber
scheinbar Ahnung von der jüdischen Religion hast,
Also, davon bin ich wirklich meilenweit entfernt.
Ich habe hier nur ein paar Bücher und dichte mir
meine Welt zurecht. >gib mir doch mal eine
Einführung in Deine Religion. o.K., die
Kurzform: Bnai Noach ist die Thora(sie ethischen
Gesetze) für Nichtjuden. Das ist die Basis. Um das
aber wirklich zu verstehen studiere ich Thora so
viel wie ich kann. Es macht einfach Spaß und ich
merke wie sich mein Leben positiv verändert. Was
will ich mehr? > Mich interessiert vor
allem auch die Ausdrücke >richtig zu benützen.
So gut ich kann, und da werden mir sicher hier auch
die jüdischen Freund(innen)e helfen, will ich es
versuchen Dir zu helfen. Was sind Deine Fragen?
>Vielleicht hast Du Zeit und Lust. Klar. Ob Du
es glaubst oder nicht, ich mache das alles nur für
mich selbst. Fragen helfen mir beim Denken.
Liebe Grüße Karsten
Schalom Avi, >Was
meinst du am schluß, mit dem fehler mit chava?
Also, ich meine, hätte der Ewige nicht nachgegeben
und gesagt: "die Menschen sollen in
gleichberechtigten Beziehungen leben. Basta." dann
hätte auch Kajin eine bessere Primärsozialisation
genossen. Lilith hätte gesagt: Adam kümmere Dich mal
um was. Was erfahren wir denn von Adam? Doch
nur, dass er keine Verantwortung übernehmen will.
Was lernen wir daraus? Wir brauchen mehr Liliths und
weniger Chawahs. Und so etwas wie Adam brauchen wir
überhaupt nicht. Gut Woch Karsten
Karsten, irre ich mich oder
widersprichst du dir da nicht? Oder bist du da
ambivalenter Meinung? Einerseits sagst du, "mehr
Liliths". andererseits sagst du, "das war der
"Fehler"". Gut, du löst das mit der Adamfrage... Vor
langer Zeit las ich mal einen Witz, Chawah entdeckt
Adam erstmalig, wendet sich ab, und meint "tut mir
leid, Sie sind überhaupt nicht mein Typ..." Im
übrigen, Mütter sind nicht so allmächtig, wie sie
kleinen und größeren Kindern zuweilen zu sein
scheinen. Da ist ein ganz entscheidender Hacken in
deinen Ausführungen. Shalom, avi- eine der vielen
Nachkömmligen von Lilith und Chawah
>Karsten, irre ich mich oder
widersprichst du dir da nicht? Oder bist du da
>ambivalenter Meinung? Nee, nie klarer
gewesen. Kommt evtl nicht so raus. Der Fehler
war, dem Adam nachzugeben. Aber wer bin ich, dem
Ewigen Fehler vorzuwerfen. Ich bin ja selbst der
wandelnde Fehler. >Im übrigen, Mütter sind
nicht so allmächtig, wie sie >kleinen und
größeren Kindern zuweilen zu sein scheinen.
Also da bin ich mir nicht so sicher. Ich kenne
einige Mütter, bei denen ich denke, hoffentlich
bekommt die bald noch ein Kind damit der Druck vom
Erstgeborenen etwas abfällt. >Da ist ein
ganz entscheidender Hacken in deinen Ausführungen.
Ja, ich bin halt nicht perfekt. Aber was glaubst Du
warum Kajin so geworden ist und sein Bruder ganz
anders? Ich sehe oft Parallelen in heutigen
realen Familien. Evtl ist das aber nur hier in
Baden-Württemberg so. Liebe Grüße
Karsten
Mütter Wir sollen
unsere Eltern ehren, von lieben steht da nichts, und
das aus gutem Grund. Ich habe mich
gegen die Affenliebe meiner Mutter mein ganzes Leben
lang gewehrt. Wenn ich mit ihr 10 Minuten am
Telefon gesprochen hatte, war ich voller
Aggressionen. Ich hatte den Eindruck, dass sie
mir nie einen persönlichen Freiraum ließ,sie
versuchte immer voll und ganz von mir Besitz zu
ergreifen. Erst als sie im Sterben lag, voll
gepumpt mit Morphium, als sie mir nichts mehr tun
konnte, habe ich es geschafft mit ihr
Frieden zu schließen. Kurz davon war ich noch
nicht mal in der Lage ihr etwas zu trinken zu
reichen, obwohl ich merkte, dass sie Durst
hatte. Ich war in ihrer Gegenwart immer entweder
versteinert oder aggressive. Jetzt nach dem sie
schon viele Jahre tot ist, weiß ich, dass doch nicht
alles falsch war, was sie gesagt und getan hat.
Nur jetzt kann ich ihr das nicht mehr sagen.
Karsten, so etwas kann einem
auch mit dem Vater passieren. Erst als mein
Vater tot war, hatte ich das Gefühl, endlich
erwachsen und unabhängig werden zu können. Da war
ich allerdings schon 32. Und ganz abgeschlossen ist
dieser Prozess immer noch nicht. Liebe
Grüße Monika
Fragen. Also ist Bnai Noach
was für Nichtjuden. Also was für mich. Wo finde
ich dieses Buch?
Hallo Walter, hier gibt es
erste informationen. gruß karsten
http://www.hagalil.com/judentum/noah/index.htm
Lieber Karsten und liebe andere
Gesprächspartner, den soziologischen und
psycholigoschen Aspekt von Kains Kindheit finde ich
nicht so interessant, wie den Gedanken, den die
chrstliche Auslegung nicht kennt, oder nicht betont,
daß nämlich Kain nicht von Herzen opfert,nicht das
Beste, sondern irgendwas gibt, um der Form genüge zu
tun.Weil es nämlich der Tat ein anderes Gesicht
gibt. Früher dachte ich immer, er habe Abel
erschlagen, weil Gott diesen vorzog und er gar nicht
verstand, warum er nicht wohlgefällig angesehen
wurde.Wenn er aber keine Liebe und Leidenschaft in
sich trug für Gott, dann hat er Abel darum beneidet.
Oder hat er ihn gehaßt, weil dieser ein tiefes
Empfinden hatte,das ihm fehlte. Gemordet für die
Lücke in seinem eigenen Herzen? Mich berührt
diese Geschichte immer weider, 1.weil sie so früh in
der Geschichte der Menschheit mit Neid, Haß, Liebe,
Verehrung und allem was dazugehört verbunden istund
2.weil es meine heutigen Fragen ausfgreift:was ist
das, was in uns lügt, stiehlt, mordet? Wann wird der
zivilisatorische Schalter umgelegt, wie und wodurch?
Mit der Hoffnung auf spannenden Gedanken
eurerseits!Tabea
Lieber Karsten und liebe andere
Gesprächspartner, den soziologischen und
psycholigoschen Aspekt von Kains Kindheit finde ich
nicht so interessant, wie den Gedanken, den die
chrstliche Auslegung nicht kennt, oder nicht betont,
daß nämlich Kain nicht von Herzen opfert,nicht das
Beste, sondern irgendwas gibt, um der Form genüge zu
tun.Weil es nämlich der Tat ein anderes Gesicht
gibt. Früher dachte ich immer, er habe Abel
erschlagen, weil Gott diesen vorzog und er gar nicht
verstand, warum er nicht wohlgefällig angesehen
wurde.Wenn er aber keine Liebe und Leidenschaft in
sich trug für Gott, dann hat er Abel darum beneidet.
Oder hat er ihn gehaßt, weil dieser ein tiefes
Empfinden hatte,das ihm fehlte. Gemordet für die
Lücke in seinem eigenen Herzen? Mich berührt
diese Geschichte immer weider, 1.weil sie so früh in
der Geschichte der Menschheit mit Neid, Haß, Liebe,
Verehrung und allem was dazugehört verbunden istund
2.weil es meine heutigen Fragen ausfgreift:was ist
das, was in uns lügt, stiehlt, mordet? Wann wird der
zivilisatorische Schalter umgelegt, wie und wodurch?
Mit der Hoffnung auf spannenden Gedanken
eurerseits!Tabea
>was ist das, was in uns lügt,
stiehlt, >mordet? Wann wird der zivilisatorische
Schalter umgelegt, wie und wodurch? Evtl
kann ja zum ersten Teil Deines Fragenkomplex es
jemand anderes was sagen. Hier zu Deiner letzen
Frage. Ich glaube, der Mensch ist zu 50% gut und zu
50% schlecht. Wenn es mir gelingt 51% gut zu sein
habe ich schon viel geschafft. Für mich git es
sowas wie einen zivilisatorische Schalter nicht. Je
mehr ich die Bibel studiere sehe ich, dass alles
schon mal da gewesen ist und es nichts neues gibt.
Der Mensch hat sich nicht weiterentwickelt seit der
biblischen Zeit. Im Gegenteil. Durch die
wissenschaftliche Erforschung und Entg-ttlichung von
allem und jedes wird es immer schwerer für die
Menschen echte G-ttesfurcht zu empfinden. Wir merken
überhaupt nicht, dass unser Leben immer leerer wird.
Das kann auch nicht mit gameboys oder big brother
kompensiert werden. Wir haben den Zenit in der
westlichen Zivilisation überschritten, wir werden
untergehen wie andere Hochkulturen auch.
Liebe Grüße Karsten
Hallo, als ich hier bei euren
Beiträgen herumgelesen habe, begann ich mich ja fast
wie ein Monster zu fühlen. Als Mutter scheint man ja
in Karstens Augen die Verantwortung für die gesamte
Persönlichkeit im Erwachsenenalter zu tragen,
demnach können ja alle Männer gar nichts dafür, wie
sie sind, denn Schuld sind ja nun mal immer und
sowieso die Mütter? War da nicht irgendwas mit Alter
der Selbsterziehung und so???? Und dann habe ich
auch "nur" ein Kind und gehöre keiner
Religionsgemeinschaft an... Sind diese äußeren
Faktoren also aussagekrägftig wie
verantwortungsbewußt jemand lebt und Religion ist so
etwas wie eine biologische Gegebenheit? Schade. Um
die Brücke zur Religion noch einmal zu schlagen: Ist
der Glaube nicht auch zu einem Großteil eine
Erziehungssache; würde ich ein kleines moslemisches
Kind adoptieren, würde das Kind nicht auch dieselbe
Religion praktizieren wie ich (falls ich das täte),
obwohl es "ursprünglich" einer ganz anderen Religion
angehört? Wo sind denn die Grenzen? Was ist mit
Leuten, deren Urgroßeltern oder Großeltern
konvertiert sind? Oder was ist mit Nachfahren derer,
die im Mittelalter zwangsgetauft wurden? UND
BEDEUTET Religiösität zwangsläufig dogmatische
Einhaltung von Riten und Gebräuchen - egal welcher
Religion, oder ist es nicht auch eine Art von
Religiösität so zu leben oder besser gesagt es zu
versuchen, daß sowenig wie möglich Schaden
angerichtet wird in dieser Welt, die oft eher einem
riesigen Schlachthaus und einer Hölle gleicht als
allem anderen? Kinder haben es da noch etwas
einfacher, sofern sie nicht eingeimpft bekommen,
alles immer nur in Schubladen stecken zu müssen.
Liebe Grüße Gabi
Liebe Gabi, >Als
Mutter scheint man ja in Karstens Augen die
Verantwortung >für die gesamte Persönlichkeit im
Erwachsenenalter zu tragen, demnach können ja >alle
>Männer gar nichts dafür, wie sie sind, denn Schuld
sind ja nun mal immer und >sowieso >die Mütter?
War da nicht irgendwas mit Alter der Selbsterziehung
und so???? ich schreibe ja schon viel
Quatsch, aber sowas würde noch nicht mal ich
behauten. Die Ausgangsfrage war: warum hat Kajin
Hebel erschlagen? Was ist das schief gelaufen?
Währe ja schön, wenn keiner Probleme mit seinen
Eltern hätte. Es gibt ja auch keiner den Eltern
schuld, weil auch die nur ein Produkt ihrer Umstände
sind. Ich kenne viele, die hatten eine gute
Primärsozialisation, die haben auch keine Probleme
mit ihren Eltern. Es gibt aber eben auch viele bei
denen ist es nicht so toll gelaufen. Deine
Ausführungen zur Religion verstehe ich in diesem
Zusammenhang nicht. Ich glaube auch nicht, dass ein
religiöser Mensch besser ist als ein
nichtreligiöser. Ich bin mehr ein diesseitiger
Typ. Ich studiere die Lehre um etwas für mein Leben
zu lernen, die spirituelle Erfahrung ist dabei ein
nicht unangenehmes Nebenprodukt. Liebe
Grüße Karsten
Hallo lieber Karsten, zuerst
meine Entschuldigung für diese WIrrniss; als ich
eben selbst noch mal nachlas fiel mir auch auf, daß
ich an den Ausgangspunkt der Diskussion wohl noch
mal erinnert werden mußte , aber gestern ging mir
alles mögliche durch den Kopf und das hat sich
verselbständigt. Zu dem Punkt mit den Eltern war es
nicht mein Wunsch irgendwie arrogant zu klingen; daß
die Eltern zu ehren wohl manchmal zu den
schwierigsten Dingen gehören kann weiß ich auch aus
eigener Erfahrung, wie das wohl bei jedem zu manchen
Zeiten ist. So, bevor es nun wieder wirr wird
schließe ich erst mal und wünsche Dir eine gute
Woche. Liebe Grüße Gabi.
Lieber Karsten, Ich glaube
nicht an die Prozentrechnung von fifty-fifty was gut
und böse angeht.Ich denke schon, daß wir uns aus
einer Horde von Blutsbrüdern zu eine Gesellschaft
entwickelt haben, die sich regeln gegeben hat, um
ihre triebe und Instinkte zu zähmen, sonst wären wir
immer noch bei Auge um Auge Zahn um Zahn.Wie anders
würdest Du dir sonst die Entstehung der Zehn Gebote
erklären können? Sind sie nicht zum Schutze des
Menschen erdacht worden? Daß er weiß, woran er sich
und andere halten müssen, um zusammen leben zu
können?Und basieren nicht alle Gesetzeswerke des
positivien Rechts darauf? Ich persönlich glaube,
daß in uns all die Jahrhunderte an erfahrungen der
Generationen vor uns schlummern und frage mich eben,
was die archaischen Kräfte in uns zu wecken vermag.
Das nenne ich den Schalter. Mag ja sein, daß wir
wie alle Hochkulturen untergehen müssen, aber so
fatalistisch wie du klingst, möchte ich nicht
scheiden müssen. Ich finde, es ist nicht wirklich
erforscht, wann ein Mensch zum Menschen wird. Und
deswegen-zurück zur Geschichte vob KAin und Abel.
Was können wir diesbezüglich durch sie erfahren?
Liebe Grüße von Tabea
Liebe Tabea, der
Ausgangspunkt deiner interessanten Frage nach dem
"Bösen" oder "Guten" im Menschen scheint mir die
Annahme zu sein, daß, wei viele meinen und man ja
auch meinen möchte, das menschliche Streben nach dem
"Guten" drängt. Der Begriff des "guten Gewissens"
gehört dazu, der ja meint, daß wir Gutes tun, wenn
unser Gewissen uns ruhig schlafen läßt, das
"Schlechte Gewissen" dagegen ein Hinweis auf etwas
Böses ist. Die Beobachtung zeigt hingegen, daß mit
Gutem Gewissen oft Schlimmes getan wird. Der
Grund dafür scheint darin zu liegen, daß Menschen
nicht im Hinblick auf das Allgemeinwohl handeln,
sondern sich sich selbst und ihrer "Sippe", d.h.
Familie, ggfs. auch Ahnen, zugehörig fühlen. Diese
Zugehörigkeit ist für uns Menschen wichtiger als das
Wohl der Welt, ja sogar wichtiger als das
persönliche Glück. Menschen sind somit niemals
"unabhängig" oder "individuell", sondern jeder ist,
ob er will oder nicht, seiner Familie und seiner
Kultur verbunden. Ich arbeite als
Psychotherapeut mit dem derzeit sehr beachtetem
systemischen Ansatz, d.h., man betrachtet den
Menschen dabei nicht als unabhängig, sondern als
Teil eines Größeren Ganzen, eben eines "Systems".
Das wichtigste und bedeutendste System, das wir
kennen, ist die Familie. Somit sind all unsere
Vorstellungen über uns und die Welt geprägt von den
ganzen ersten Eindrücken, Normen, Werten, die wir
durch die Familie kenengelernt haben. Auf diesem
Hintergrund fußt auch unsere aktuelle Wahrnehmung
und Lebensgestaltung, leider auch quälende Dinge wie
Depressionen, ständig sich wiederholende Muster,
Ängste, etc. Unerledigte Probleme oder auch Schuld
vorangegangener Generationen leben nämlich weiter,
weil nachfolgende Generationen ständig bemüht sind,
Dinge auszugleichen oder zu wiederholen. Man könnte
auch sagen, daß jeder Mensch sich etwas mehr oder
weniger Schweres aufgeladen hat, das nicht wirklich
"seins" ist, sondern ein schweres Erbe. Dies
wiederum kommt daher, weil die kindliche Seele
Ungerechtigkeit nicht erträgt. Die bedeutendsten
Lebensmotive entstehen nämlich in der Kindheit,
jener Lebensphase halt, wo Erkenntnisse über das
sein heanreifen, aber gleichzeitig die Vorstellungen
noch erfüllt ist von vielen magischen Ideen. Kinder
glauben so z.B. oft, daß, wenn sie selber leiden,
einen anderen geliebten Menschen, etwa Mutter oder
Vater, von seinem Leid erlösen zu können. Stirbt ein
Kind in einer Familie, sieht man oft, daß
überlebende Geschwister ein Leben führen, als seien
sie auch tot - weil sie es nicht ertragen, daß es
ihnen besser gehen soll, obwohl sie sich freuen
könnten, daß sie ihr Leben haben. Ähnliches gilt für
die Überlebenden des Holocaust, die sich nicht daran
freuen können, daß sie davongekommen sind, weil sie
sich solidarisch fühlen mit den Toten, mit denen sie
ein gemeinames Schicksal verbindet. Lauter schlimme
Dinge also, die letztendlich niemandem nützen, und
die doch mit einem heimlichen guten Gewissen gelebt
werden, im insgeheimen Verbundenheitsgefühl, für
geliebte Menschen damit etwas leisten zu können. Man
bedenke dabei, daß kindliche Liebe noch etwas
vergleichsweise Bedingungsloses hat, das die Eltern
noch als gottgleiche Wesen erscheinen läßt. Bei
kriminellen Taten - ohne diese entschuldigen zu
wollen - sind oft ähnliche Mechanismen im Gange. So
kann man bei Neonazis oft feststellen, daß sie aus
eine Familien stammen, in der der Vater von der
Mutter verachtet wird. Neonazis werden somit zu
Karikaturen der verachteten (insgeheim geliebten)
Väter, indem sie besonders "männlich" (=brutal,
hart, grausam) erscheinen wollen,in Wirklichkeit
aber vor der eigenen Schwäche Angst haben und sich
daher Schwächere als Ziel ihrer verschrobenen
Wirklichkeit suchen. Der "Schalter", den Du
suchst, findet sich am ehesten im (liebevollen)
Blick auf das eigehe System. Paradoxerweise wird man
nur so einmal des Reichtums gewahr, den man in sich
trägt, andererseits wird man auch frei, Eigenes zu
entwickeln und damit fähig, auch "Gutes" über den
eigenen Kreis hinaus tun zu können. Diejenigen, die
meinen, sie könnten sich ihrer Herkunft durch
Ablehnung der eigenen Familie und Kultur entledigen,
verstricken sich nur und machen meistens das
Gleiche, das sie vorgeben, zu bekämpfen. In diesem
Forum z.B. findet man einige, die das Christentum
wegen "verbrecherischer" Inhalte in Grund und Boden
verdammen, sich dabei aber verbal aufführen wie ein
Großinquisitor. Das ist aber auch eine Art Treue zur
eigenen Vergangenheit. Es ist ausgesprochen
schwierig, das komplexe Thema auf so kleinem Raum
verständlich darzustellen, aber vielleicht ist damit
ja ein kleiner Anfang gemacht. Einen
schönen Abend allen Andreas
Lieber Andreas, Ich danke
dir sehr für deine ausführlichen und anregenden
Ausführungen!Vielleicht kannst du auch noch mal
näher auf den Ansatz eingehen, wie sich bewußt mit
dem Erbe umgehen läßt und sich die Strukturen eines
tradierten Systems verändern oder gar auflösen
lassen.Mich beschäftigen seit Jahren Vorgänge, wie
Schuld zu Wahn wird und eben auch das Thema, an dem
wir gerade sind. Ich möchte gerne Deine These
aufgreifen, daß "kindliche Seele keine
Ungerechtigkeit erträgt".Das war immer mein
Grundgedanke bei der Kain und Abel Geschichte.Ich
fand es einfach ungerecht, daß Kains Opfer nicht
gleich so viel galt wie das von Abel. Durch die
unserer jetzigen Diskussion zugrundeliegende
Auslegung erscheint die Geschichte in einem anderen
Licht.Hier heißt es"gott wollte mit Kain reden, der
aber fing Streit mit Abel an und erschlug ihn ."
Warum erschlug er ihn Deiner Meinung nach? Handlung
im Affekt? Oder wie bei Kindern, die sich einfach
ungerecht behandelt fühlen und dann das
Geschwisterkind dafür hauen? Aus Hilflosigkeit? _
Ich weiß, es gibt in der jüdischen Glaubendwelt den
Gedanken der Gnade nicht und dennoch komme ich nicht
davon los, daß der göttliche Funke, den Abel
empfängt, genau das ist: Gnade. Das würde mir den
Neid erklärlich machen. Auf das Begnadetsein des
Bruders . Und daruf kann man wütend sein, da´einer
mehr Talent, mehr Begabunghat zu etwas als man
selbst. Weil es auch durch Fleiß nur schwer zu
ändern ist. Es sind Geschenke, wie die Tradition
eine Bürde sein kann - zwei Seiten der Vererbung.
Wie interpretierst Du das Konkrete Beispiel dieser
Familiensituation, das würde mich sehr
interessieren?! Der "Schalter" oder Auslöser,
das möchte ich doch noch mal ansprechen ist der
Hohlraum in einem Zusammenhang für mich.Nimm
z.B.einen Verbrecher, der nach jahrelanger Therapie
von allen Seiten streng geprüft als geläutert(ich
mag nicht sagen geheilt, weil ich nicht daran
glaube)entlassen wird und sich selbst auch sich ist,
nicht mehr in das alte Muster zu verfallen - und
prompt passiert es doch. welche Kräfte wirken da?
Gegen den eigenen festen Willen`? Das frage ich mich
und nenn es halt Schalter.Ich bezweifle, daß der
Blick auf das eigene System genügt. Aber ich denke,
Du meinst sowieso, daß dieser Blick nicht ohne
Konsequenzen bleiben kann. Liebe Grüße von Tabea
Hallo Tabea, >komme
ich nicht davon los, daß der göttliche Funke, den
Abel empfängt, genau das >ist: Gnade. Ich
will nur diesen Gedanken kurz aufgreifen.
(natürlich wieder nur so wie es verstehe)
einige Kabbalisten(mystische Lehre) gehen davon aus,
dass der g-ttliche Funke oder die Funken ständig auf
uns nieder gehen. Jeder empfängt sie. - kennt jeder.
er hat einen genialen Gedanken und verabschiedet
sich davon wieder ohne ihn bis zum Ende zu verfolgen
- Sie(die Kabbalisten) sagen, dass man durch
studieren der Lehre, einer kosheren Lebensform und
einem reinen Herzen in die Lage versetzt wird diesen
g-ttlichen Funken in sich aufzunehmen und diese
Energie zu nutzen. - in diesem Beispiel, den
genialen Gedanken zu verfolgen und umzusetzen -
Ist aber einer so oberflächlich wie Kajin, geht der
Funke rein und raus, und erzeugt keine positive
Energie. Zu Deiner letzten Definition des
Schalters kann ich Dir recht geben. Warum baut
ein Suchtkranker einen Rückfall, obwohl er weiß er
könnte daran verrecken? Wenn der Schalter
umgelegt ist, kann zB den Alkoholiker keiner davon
abhalten zu trinken. Ich weiß wovon ich da
rede. Ich laufe seit über 20 Jahren jede Woche in
die Selbsthilfe Gruppe, und das nicht weil ich
nichts besseres zu tun haben, sondern weil ich Angst
vor meinem Schalter im Kopf habe. Liebe
Grüße Karsten
Lieber Karsten, Vielen Dank
für Deine Offenheit und Dein Vertrauen in uns
Leser.Ich wünsche Dir, daß eines Tages die Angst vor
dem Schalter nicht mehr sein muß! Gerne will ich
Dich aber fragen,wie du darauf kommst, daß Kain
oberflächlich ist? Woraus läßt sich das ableiten?
Auch das mit dem Muttersohn habe ich nicht
verstanden. Der göttliche Funke in Deiner
Beschreibung sieht mir eher nach einer Belohnung für
Einhaltung der regeln aus denn wie eine Gnade oder
ein Geschenk.Oder ist das die Selbstdisposition, die
nötig ist, um überhaupt in den Zustand der Gnade
kommen zu können? Mich würde interessieren, was
Deine AUslegung zum Kainsmal sagt. Warum wird Kain
geschützt und gezeichnet zur gleichen Zeit?
ALlen einen herzlichen Dank für ihre GEdanken !
Liebe Grüße, Tabea
Hallo Euch allen! Vielleicht,
Kain opferte nur um Erwartungen zu erfüllen anstatt
wie Abel vollen Herzens. Aber ist er "schuldig",
wenn er von Natur aus nicht feinsinniger
"ausgestattet" war und dies zu seinen
unveränderbaren Wesensmerkmalen gehörte? Mir gefällt
Tabeas "um eine Lücke in seinem Herzen zu füllen"
sehr. Aber sind Kain und Abel nicht auch "Kinder"
ihrer Zeit und spiegeln Übergang vom Nomadentum zum
Seßhaften wider, in ihren Charaktereigenschaften
unvereinbar? Ich glaube nicht, daß Kain "nur"
oberflächlich handelte, Karsten, ginge einer solchen
Tat nicht tiefe Verzweifelung voran, was
Empfindsamkeit voraussetzt? Ich kann mir nicht
vorstellen, daß er berechnete, lieber im "Wahn"
glücklich zu sein als an der Wahrheit zu scheitern.
Insofern fand ich Deine Ausführungen sehr
interessant und denkanstoßend, Andreas, aber sind
wir Menschen wirklich so logisch? Bestimmt
tatsächlich das durch empirische Sozialforschung
meßbare den Großteil unserer Handlungen? Basieren
instinktive Angstbewältigung und Geborgenheitssuche
zwingend auf Vorerfahrungen? Sind wir Menschen
wirklich so gefangen? Dann sollten die Kinder jeder
Gesellschaft ALLES sein, sonst rückt eine
freundlichere Zukunft unendlich fern. In die Kinder
sollte alles nur mögliche investiert (nicht nur
materiell) werden, vor allem in die vielen kleinen
impulsiven Kains. Inwieweit können Erfahrungen
zuhause im Laufe der Zeit bei Kindern sonst
ausgeglichen werden? Schönen Abend noch allen. Gabi
Hallo Tebea, >Vielen
Dank für Deine Offenheit und Dein Vertrauen in uns
Leser.Ich wünsche Dir, >daß eines Tages die Angst
vor dem Schalter nicht mehr sein muß! 1. es
ist keine Schande krank zu sein. Es ist nur ein
Schande, nichts dagegen zu tun. Ich gehe damit
so normal um, wie andere mit Diabetes. Ich vertrage
eben bestimmte Sachen nicht, und darum lasse ich es.
2. Ich will nie die Angst vor dem Schalter
verlieren. - jetzt höre ich aber auf, sonst wird es
zu philosophisch - >Gerne will ich Dich
aber fragen,wie du darauf kommst, daß Kain
oberflächlich ist? >Woraus läßt sich das
ableiten? Auch das mit dem Muttersohn habe ich nicht
>verstanden. Das ist eine Interpretation
von mir. Er macht nicht den Eindruck, als wenn er
wirklich tief über sein handeln nachdenkt.
Erstgeborene Söhne sind meist Mutterkinder(wenn die
Mutter so unterschwellig dominant ist wie Chawah)
und aus meiner Erfahrung werden es dann kleine
egozentrische Monster. Er bietet dem Ewigen Dreck an
und wundert sich warum Hebel besser ankommt. Anstatt
sein Verhalten zu ändern erschlägt er Habel. Nur
sein persönliches Problem löst er damit nicht.
>Der göttliche Funke in Deiner Beschreibung sieht
mir eher nach einer Belohnung für >Einhaltung
der regeln aus denn wie eine Gnade oder ein
Geschenk.Oder ist das die >Selbstdisposition,
die nötig ist, um überhaupt in den Zustand der Gnade
kommen zu >können? Dieses Geschenk kann
jeder bekommen, wenn er bereit dazu ist es
anzunehmen und etwas dafür tut. Von nichts kommt
nichts. Nur durch unsere Taten werden Veränderungen
hervorgerufen, bei uns selbst und bei anderen,
positiv und negativ. Wenn ich dasitze und warte
bis mich ein Engel küßt und alle meine Probleme
löst, kann ich lange warten(währe mir auch zu
langweilig). Bei mir jedenfalls ändert sich nur was,
wenn ich meinen Hintern in Bewegung setze. Mag ja
sein, dass bei anderen die Miete durch beten oder
den heiligen Geist bezahlt werden kann. Bei mir ist
das eben anders. Ich kann mir im Gebet nur die Kraft
und Bereitschaft erbitten seinen Willen zu erkennen
und umzusetzen. - manchmal gelingt es mir sogar. Oft
erkenne ich was richtig ist und mache genau das
Gegenteil -. Wie die Geschichte weiter
geht mit Kajin, lese ich am Wochenende nach und
werde dann was schreiben. Liebe Grüße
Karsten
Liebe Gabi,
>Vielleicht, Kain opferte nur um Erwartungen zu
erfüllen anstatt wie >Abel vollen Herzens. Aber
ist er "schuldig", wenn er von Natur aus nicht
feinsinniger >"ausgestattet" war und dies zu
seinen unveränderbaren Wesensmerkmalen gehörte?
Keiner kann was für seine Primärsozialisation. Das
hat nichts mit Wesensmerkmalen zu tun. Er wurde zu
einem Egozentriker erzogen. (ich meine von
seiner Mutter. Sein Vater war nur ein Hubeldubel,
der hatte außer Sprüchen nichts zu bieten, der lief
wohl, als weiteres Kind in der Familie so nebenher
mit). - ich bin der Mittelpunkt der Welt -
Und wehe, wenn einer etwas bekommt und ich nicht.
>ginge einer solchen Tat nicht tiefe Verzweifelung
>voran, was Empfindsamkeit voraussetzt?
Nee, der Tat ging einer tiefen Macke voran. Man gab
ihm keine Gelegenheit sich von seinem kindlichen
omnipotent Bewußtsein zu befreien. - gibt es oft bei
Managern, die kindliche omnipotent Verhaltensweisen
zurückfallen und sich wunder, wenn sie damit eine
Bauchlandung erleben - >Dann sollten die
Kinder jeder Gesellschaft ALLES sein, >sonst
rückt eine freundlichere Zukunft unendlich fern.
Ja, sie sind die Zukunft und das ist alles was wir
haben. >In die Kinder sollte alles nur
>mögliche investiert (nicht nur materiell) werden,
vor allem in die vielen kleinen >impulsiven
Kains. Meine Frau ist Sozialpädagogin, sie
arbeitet in einem Schulprojekt und trainiert kleinen
auffälligen Kajins soziales Verhalten. Die könnte da
viel mehr drüber sagen. ich frage sie mal, ob sie
mal kurz was schreibt. Liebe Grüße
Karsten
Lieber Karsten, Du siehst es
soziologisch und entdeckst an Kain so etwas wie
hochstaplerische Selbstglorifizierung und
Mittelpunktstreben, verstehe ich Deine Ansicht da
richtig? Aber dann die Frage, WESHALB einige trotz
noch so schlechter "Primärsozialisation" das Leben
heiligen können und andere widerum nicht? Andreas
oben erklärte es, soweit ich ihn da richtig
verstanden habe, mit "der selektiven Wahrnehmung",
aber trotzdem begreife ich nicht, weshalb ähnliche
Bedingungen bei Personen mit ähnlicher
Persönlichkeitsstruktur grundverschiedene Dinge
auslösen können. Was macht den "Wesenskern" eines
Menschen aus?
>Du siehst es soziologisch und
entdeckst an Kain so etwas wie >hochstaplerische
Selbstglorifizierung und Mittelpunktstreben,
verstehe ich Deine >Ansicht da richtig? Ja,
Omnipotent-Syndrom, oder das spätere Gemüsesyndrom,
wie Merz-Kohl und Co. Kinder legen das früh
wieder ab. Wird aber ein Kind geistig durch
"Grenzenlosigkeit" mißhandelt, wird dieses Kind
erwachsen und denkt immer noch, er sei ein Prinz
oder sie eine Prinzessin. Was glaubst Du denn, was
aus den Kindern wird, die von Ihren Eltern auf
Schönheits- oder Playback-Wettbewerbe gehetzt
werden? >Aber dann die Frage, WESHALB
einige trotz noch so schlechter
>"Primärsozialisation" das Leben heiligen können und
andere widerum nicht? Was ist eine "gute"
und was ist eine "schlechte" Primärsozialisation?
Ich denke mal, gut ist es seine Kinder zum Mittelmaß
zu erziehen und vor allem nichts zu projizieren.
Kinder zerbrechen daran, wenn sie leisten sollen,
was den Eltern an ihnen selbst oder dem Partner
nicht gefällt bzw wenn sie die eigenen Mängel von
ihren Kindern kompensieren lassen. Mein
höchstes Streben war es immer ein mittelmäßiger
Mensch zu sein. Gelungen ist es mir nicht. Ich
lebte meist in Extremen. Jetzt, wo ich etwas
älter bin, glättet sich das Wasser etwas, ganz ruhig
ist der See aber nie.(wäre ja auch wirklich
langweilig) Ich wollte immer so gern Beamter
sein. Meine Frau meint aber, ich würde dort nicht
die Probezeit überstehen, weil meine erste
Amtshandlung die Entlassung der Minister wäre. Würde
sich nicht gut machen, meint sie.
>Andreas oben erklärte es, soweit ich ihn da richtig
verstanden habe, mit "der >selektiven Wahrnehmung",
aber trotzdem begreife ich nicht, weshalb ähnliche
>Bedingungen bei Personen mit ähnlicher
Persönlichkeitsstruktur grundverschiedene >Dinge
auslösen können. Ähnlich ist eben nicht
gleich. Es ist eben so, dass alles in Verbindung mit
allem ist. Wenn hier ein Schmetterling einen
Flügelschlag macht, kann in China ein Sack Reis
umfallen, oder so ähnlich. Für mich hat das
alles etwas mit dem g-ttlichen vollkommenen System
zu tun. Alles ist in Abhängigkeit von G-tt. Ich
lerne die Lehre nur aus diesen Grunde. Ich habe
immer gegen alles gekämpft und habe immer verloren.
Erst als ich kapitulieren konnte und mich in die
Obhut G-ttes gegeben habe, von da an ging und geht
es mir besser. Heute muß ich mir nicht mehr
zuviel aufladen. Ich kann einfach sagen: mir ist das
zuviel, kümmere Du dich mal darum. Und der Ewige
nimmt mir die Last ab, bis ich sie tragen kann. Ist
doch toll, oder? >Was macht >den
"Wesenskern" eines Menschen aus? Wenn Du das
rausgefunden hast, sage bitte Bescheid. Ich schlage
Dich dann zum Nobelpreis vor. Ich bin noch
dabei, mehr über die Kajin Geschichte zu schreiben.
Das Konzept ist aber noch nicht ganz klar. Ich muß
erst noch mehr lesen. Ist aber auf jeden Fall
spannend für mich. Liebe Grüße Karsten
Liebe Tabea, liebe Gabi,
nein, logisch sind Menschen sicherlich nicht, schon
gar nicht im Sinne eines bewußten und allzeit
verstandeskontrollierten Verhaltens. Man schätzt,
daß weit über 90% von allem Handeln auf unbewußte
Prozesse zurückgeht. Allerdings läßt sich
menschliches Denken und Verhalten m.E.
psycho-logisch nachvollziehen, manchmal sogar
vorhersagen; dies setzt allerdings viel Erfahrung
und Hintergrundwissen voraus. Vieles von dem, was
Menschen tun, erscheint ja oft ausgesprochen
unvernünftig . Menschen lassen es sich oft schlecht
gehen, tun Dinge, die sich selbst und anderen
schaden, etc. Dies hat aber nicht damit zu tun, daß
dem einen mehr "g'ttlicher Funke" zuteil wird als
dem anderen. Dies entscheiden zu wollen, halte ich
für eine ausgesprochene Anmaßung, auch wenn es um
Kain geht. Allerdings muß man sagen, daß Mörder
etwas derartig Schlimmes tun, daß sie in der Regel
ihre Zugehörigkeit zur Familie verspielen. Oft
gesunden Familien erst, wenn Mörder ausgeschlossen
werden. Ansonsten fangen Nachkommen an, die Schuld
des Mörders zu übernehmen, weil man dessen Schuld
nicht bei ihm gelassen hat. Kinder und Enkel von
Nazi-Tätern, die trotz aller Untaten unbehelligt
einen sorglosen und ruhigen Lebensabend verbringen
konnten z.B. tragen oft die ganze Wucht der Schuld
ihrer Väter und Großväter mit, leiden unter schweren
Depressionen, bringen sich manchmal gar um; oder,
wenn sie ihr Erbe im Guten nutzen, fühle sie den
Drang, irgendetwas auszugleichen, wie etwas der Sohn
M. Bormanns, der Priester geworden ist und überall
antifaschistische Vorträge hält. Im konkreten
Fall Kains kann man nur schwerlich Aussagen machen;
laut Thora kommt ja vor seinen Eltern G'tt, also
wahrlich keine Großeltern im üblichen Sinn. Daher
möchte ich mich hüten, Kain und Abel als normale
Schicksale anzusehen. beide scheinen mir viel eher
"Prototypen" für menschliche Konstellationen im
Sinne eines Gleichnisses zu sein. Karstens
einseitige Deutung finde ich aber nirgens wieder. Wo
steht geschrieben, daß, Kain das Erstbeste, was er
fand, opferte, Abel aber das fetteste Lämmlein nahm?
Ich finde lediglich: "G'tt schaute nicht auf Kains
Opfer". Die Verdammung Kains lediglich aus diesem
Grunde ist eine kindliche Vereinfachung im Sinne von
Gut und Böse, so wie in Grimms Märchen. Auch halte
ich enen Ackerbauern keines wegs für grundsätzlich
minderwertiger als einen Schafhirten. Was soll ein
Ackerbauer denn opfern außer Rüben und Getreide?
Klar erscheint ein ganzes Schaf degegen wertvoller.
Soll der arme Kerl deswegen seinen ganzen Acker
verbrennen? Natürlich kann man trotzdem einige
psychologische Erfahrungen anwenden. Was zumeist
übersehen wird, ist, daß es in Familien natürliche
Ordnungen gibt, und deren Übertretung immer Probleme
gibt. Es ist so, daß es Rangordnungen gibt; jeder,
der früher da war, hat einen höheren Rang als die,
die nach ihm kommen (das bedeutet nicht, daß die
ersten die höherwertigen Menschen sind). Wird die
Rangfolge nicht respektiert, so gibt es immer jede
Menge Ärger, in modernen Familien genauso wie vor
5000 Jahren. Kain ist der Ältere, und sein Opfer
gilt dennoch als geringer als das seines jüngeren
Bruders; dementsprechend wird er wütend. Auch Jakob
erschlich sich den Segen seines Vaters Isaak durch
einen Trick, den seine Mutter eingefädelt hatte,
obwohl er als Zweitgeborener keinen Anspruch darauf
hatte. Wir wissen, daß G'tt ihn dafür schwer
bestrafte. Joseph erlitt ein tragisches Schicksal,
nachdem er seine älteren Brüder dadurch gegen sich
aufgebracht hatte, daß er sich wie
selbstverständlich über sie stellte. Keines
dieser Ereignisse rechtfertigt freilich einen Mord.
Allerdings hatte der Tod zu früheren Zeiten ein
andere Bedeutung als heutzutage. Wie die Ereignisse
ganau zu bewerten sind, wird daher im Detail im
Dunklen bleiben, schließlich kann man keinen
Angehörigen mehr fragen. Nun, wie kann man einem
schweren Erbe entrinnen? Dies ist eine schwierige,
weil sehr individuelle Frage; genau dies isr ja auch
das Thema einer guten Psychotherapie. Grundsätzlich
läßt sich Folgendes sagen: Der unbeschwerte, eigen
Blick nach vorne ist nur möglich durch die Würdigung
all dessen, dem wir unser Leben verdanken, allen
voran den Eltern. Wenn einer sagt: "Ich will NICHT
so werden wie mein Vater", so hat dies einen
ähnlichen Effekt wie "Stell' dir die Farbe Blau
NICHT vor". Was passiert? - Genau, eben.
Paradoxerweise, tatsächlich aber ganz natürlich
macht wirklich frei nur der versöhnliche,
achtungsvolle Umgang mit den Eltern (von Ausnahmen
abgesehen). Dazu gehört auch, daß eventuelle Schuld
bei den Eltern und ggfs. Großeltern gelassen wird.
Auch dies ist eine Form von Respekt.
Schöne Grüße Andreas
Lieber Karsten, ich
möchte Dir wirklich nicht zu nahe treten und Du hast
bestimmt beste Absichten, aber Deine Deutung der
Kain und Abel-Geschichte ist für mich das, was man
so landläufig als "Psycho-K****" bezeichnet. Das
sage ich als Psychologe. Gruß
Andreas
Lieber Andreas, ich danke
Dir sehr, daß Du unser Gespräch auf die
Gleichnisebene zurückgeführt hast. Die Auslegung der
Geschichte unter dem Aspekt des fetten Lammes und
der lieblosen Frucht findet sich nicht in der
Lutherbibel. Ich hatte den Text auch immer so
gelesen, daß man nicht wußte, warum wird Kain s
Opfer eigentlich nicht gewürdigt.Tatsächlich
sprechen aber die anderen Übersetzungen von dem Fett
des Lammes und das dieses Opfer wohlgefällig war.Ich
bin erst nach einem Gespräch mit dem Rabbi
daraufgestoßen, weil ich Auslegungen zu diesem Thema
gesucht habe und einen Interpretationansatz
überprüfen wollte, der die Kain und Abel Geschichte
als Folie für das deutsch-jüdische Verhältnis
benutzt hatte. Damals antwortete der Rabbi mir, daß
in der Geschichte eindeutig stünde, Kain habe
"Dreck" geopfert.Dieses Wort konnte ich nirgends
finden, aber den Hinweis auf ein nicht so
großzügiges Opfer.Ich hoffe, das hilft Dir weiter.
Es ist auf jeden Fall ungeheuerlich, was dieses
Detail auslösen kann in der Betrachtung der
Geschichte.Gottes Verhalten empfand ich als
willkürlich und fand völlig logisch, daß Kain da
wütend wird. Was denkst Du über das KAinsmal?
Gott schützt und zeichnet jemanden im selben
Moment.Und zwingt ihn mit seiner Schuld zu
leben.ALle können immer sehen, daß er der Täter war,
der Mörder. Es gibt kein Entrinnen davon.Der Tod
erscheint mir in diesem Licht fast weniger grausam
und mir ist das sehr nah, was Du von den
stellvertretenden Schulbegleichern erzählst.
LIebe Grüße von Tabea
Lieber Andreas, ohne
Rashi und den Talmud ist das schwer zu verstehen.
Wenn einer über Apfelmus redet und der andere über
gegrillten Fisch, reden zwar beide über etwas zu
essen, es trennen sie aber trotzdem Welten.
ich habe auch kein Anspruch auf "die Wahrheit",
sondern ich definiere meine Wahrheit. Dass ich
viel Kack schreibe, ist doch klar, ich schreibe hier
nur meine Gedanken nieder und die sind so. Schreiben
hilft mir beim Denken. Und weil ich so
verschoben bin, habe ich mich in gute Obhut begeben.
Meine Frau ist Sozialpädagogin und meine Schwester
ist Psychologin. Es besteht also noch Hoffnung.
Liebe Grüße Karsten
Hier noch mal ein Text: Quelle
: Die Schrift - Buber/Rosenzweig Dazu sollte man
die Kommentare zum Pentateuch von RASHI und Sahn
37a-39a lesen. Ferner gibt es noch weitere
Stellen im Talmud, die diesen Text und die
enthaltenden Gesetze bespricht. Auch die Referenzen
zu interpretieren ist wichtig. So sind Parallelen
zwischen den Verhalten von Kajin(bin ich der Hüter
meines Bruders) und Adam: Der Mensch sprach: Das
Weib, das du mir beigegeben hast, sie gab mir von
dem Baum, und ich aß. Beide wollten die
Verantwortung nicht übernehmen. Geht mir auch
so: je älter ich werde desto mehr sehe meinen Vater,
wenn ich in den Spiegel sehe. Wie er wollte ich nie
werden.(ja, ja, Andreas ich psychel schon wieder)
Der Mensch erkannte Chawwa sein Weib, sie wurde
schwanger, und sie gebar den Kajin. Da sprach
sie: Kaniti - Erworben habe ich mit IHM
einen Mann. 2 Sie fuhr fort zu gebären, seinen
Bruder, den Habel. Habel wurde ein Schafhirt,
Kajin wurde ein Diener des Ackers. 3 Nach
Verlauf der Tage wars, Kajin brachte von der
Frucht des Ackers IHM eine Spende, 4 und auch
Habel brachte von den Erstlingen seiner Schafe, von
ihrem Fett. ER achtete auf Habel und seine
Spende, 5 auf Kajin und seine Spende achtete er
nicht. Das entflammte Kajin sehr, und sein
Antlitz fiel. 6 ER sprach zu Kajin: Warum
entflammt es dich? warum ist dein Antlitz gefallen?
7 Ists nicht so: meinst du Gutes, trags hoch,
meinst du nicht Gutes aber: vorm Einlaß Sünde,
ein Lagerer, nach dir seine Begier - du aber
walte ihm ob. 8 Kajin sprach zu Habel, seinem
Bruder. Aber dann wars, als sie auf dem Felde
waren: Kaijn stand auf wider Habel seinen Bruder
und tötete ihn. 9 ER sprach zu Kajin: Wo ist
Habel dein Bruder? Er sprach: Ich weiß
nicht. Bin ich meines Bruders Hüter? 10 ER aber
sprach: Was hast du getan! die Stimme des
Geblüts deines Bruders schreit zu mir aus dem Acker.
11 Und nun, verflucht seist du hinweg vom Acker,
der seinen Mund aufmachte, das Geblüt deines Bruders
aus deiner Hand zu empfangen. 12 Wenn du den
Acker bedienen willst, nicht gibt er dir fortan
seine Kraft. Schwank und schweifend mußt du auf
Erden sein. 13 Kajin sprach zu IHM: Allzu
groß zum Tragen ist meine Verfehlung. 14 Da, du
vertreibst mich heute vom Antlitz des Ackers,
vor deinem Antlitz muß ich mich bergen, schwank
und schweifend muß ich sein auf Erden, - so muß
es sein: allwer mich findet, tötet mich! 15
ER sprach zu ihm: So denn, allwer Kajin
tötete, siebenfach würde es geahndet. Und ER
legte Kajin ein Zeichen an, daß ihn unerschlagen
lasse, allwer ihn fände. 16 Kajin zog von SEINEM
Antlitz hinweg und wurde erst seßhaft im Lande
Nod, Schweife, östlich von Eden. 17 Kajin
erkannte sein Weib, sie wurde schwanger und
gebar den Chanoch. Er aber wurde Erbauer einer
Stadt und rief den Namen der Stadt nach seines
Sohnes Namen C
Lieber Karsten,
vielen Dank, daß Du Dir eine solche Mühe gemacht
hast. Allerdings entdecke ich nach wie vor keinerlei
Hinweis auf ein absichtlich nachlässiges Opfer Kains
(Kajins). Dementsprechend kann ich hinter der
Deutung "Dreck" nur etwas ausgesprochen Subjektives
vermuten. Aber natürlich kann auch die feinheit der
Übersetzung einiges bewirken. Übrigens
halte ich diesmal deine Art von "psycheln" sehr
reflektiert und achtenswert. Liebe Tabea,
ich denke, es gibt so etwas wie ein Kainsmal. Kein
Mensch kann wirklich dem entkommen, was geschehen
ist, mag er es umdeuten, wie er will. Nur daß
Kainsmale nicht unbedingt optisch sein müssen. Das
eigene innere Bild von sich und der Welt wird sich
nach einer schlimmen Tat stets ändern, und damit
auch alle möglichen Verhaltensweisen, die, sei es
nun bewußt oder unbewußt, die Mitmenschen reagieren
lassen, und seien es nur die Kinder, die die Schuld
ihrer Väter unbewußt auf sich nehmen. Somit ist auch
Psychotherapie in gewisser Weise das Entfernen eines
(übernommenen) Kainsmales. Die Täter selbst können
ihre Größe lediglich dadurch bewahren, indem sie
ihre Schuld auf sich nehmen und tragen; dadurch
entlasten sie ihre Kinder und die Schuld wird
womöglich sogar zu einer guten Kraft. Dies ist ja
auch die Weisung G'ttes an Kain - er muß es tragen;
der Tod wäre zu billig. Auch hat kein anderer das
Recht, aus Kains Tat die Legitimation abzuleiten,
ihn töten zu dürfen (man bedenke, was die
Todesstrafe z.B. in den U.S.A., für eine
unglaubliche Anmaßung ist; da stellen sich normale
Menschen auf G'ttes Stufe). Tatsächlich bringt Kain
es sogar zum Stammvater eines offenbar blühenden
Geschlechtes. Manchmal ist Böses halt auch vorbei.
Die Diskussion um die Schuld Kains scheint mir aber
einen noch wesentlich essentielleren und brisanteren
Aspekt zu haben. Schließlich kann man sich ja oft
fragen, wie G'tt dieses oder jenes zulassen kann.
Vieles erscheint ungerecht, einiges grenzenlos
schrecklich (Holocaust). Selbst beim Holocaust gibt
es ja Überlegungen (oft von orthodoxen Juden), ob
die Kinder Israels selbst die Schuld dafür tragen.
Mir persönlich ist diese Deutung nicht nur fremd,
ich finde sie geradezu blasphemisch. Wie auch immer,
auch im Falle Kains wittere ich die Tendenz, das
Handeln G'ttes auf menschliche Maßstäbe zu
reduzieren. Es muß unbedingt ein für Jedermann
nachvollziebarer Grund für G'ttes Entscheidung
gefunden werden. G'ttes Handeln ist aber
unerforschlich. Leider krankt wie's scheint jede
Offenbarungsreligion daran, G'tt in menschliche
Dimensionen bringen zu wollen. Als ob man mit G'tt
würfeln könnte. Tatsächlich aber geschenen Dinge,
deren tieferer Sinn und Menschen verborgen bleiben,
aber Menschen reagieren nun mal darauf, so wie es
Kain tat. Aber nein, es muß einen Schuldigen geben,
und das kann ja nicht G'tt sein. Als müßte G'tt in
Schutz genommen werden! Liebe Grüße
Andreas
>Allerdings entdecke ich nach
wie vor keinerlei Hinweis auf ein >absichtlich
nachlässiges Opfer Kains (Kajins). Lieber
Andreas, bin leider nicht zu Hause und kann
nicht nachsehen. Es steht aber bei Rasi, es war
minderwertig, manche sagen es war Leinsamen. Die
schriftliche Thora kann man ohne die mündliche
Thora(Talmud) und die Kommentare nicht verstehen.
Im Talmud steht dazu auch noch der bekannte Satz,
dass wer ein Leben rettet, eine ganze Welt rettet.
"Siebenfach" bedeutet in der siebenten Generation
wird Kajin von den Söhnen Noachs erschlagen usw.
Ohne dieses zu lesen macht das alles keinen Sinn.
Ich sage ja nicht, dass es Quatsch ist was Du
schreibst. Es ist eben die Wahrheit, die Du im
Moment siehst. Nur mit der Religion oder der
Betrachtungsweise der Bibel wie wir Bnai Noach sie
verstehen, hat das nicht so viel zu tun. Mir
geht es da so wie Dir es geht, wenn ich "psychel". *
gg* Jeder redet eben immer nur über seine
beschränke zur Zeit erkennbare Wahrheit. Würde jeder
nur über das reden, wo er die absolute Wahrheit
kennt, müßten alle Menschen schweigen. Als erstes
würde mal der Beruf der Politiker aussterben.
-na ja, damit könnte ich mich wohl abfinden -
ich versuch am Wochenende mal zu sehen, was die
Weisen über das Kainsmal sagen. Liebe Grüße
Karsten
Lieber Karsten, wie
die Bibel hier oder da verstanden wird, ist zwar
interssant, aber ich bezweifele stark, daß es
jemanden auf der Welt gibt, der von sich behaupten
kann, er wüßte genau, was in der Thora genau gemeint
ist. Wie der Talmud von wem wie gedeutet wird, ist
für mich eher von ethnologischen Interesse,
keineswegs halte ich ihn für den festgesetzten
Katalog der Weisheit, der womöglich eindeutige
Regeln enthält. Im Talmud stehen doch keine
Naturgesetze (wobei ja sekbst die, wie man
inzwischen weiß, relativ sind -Erkenntnis eines
bekannten jüdischen Wissenschaftlers). Du kannst von
mir aus deuten was Du willst. Garantiert hast Du
mehr Ahnung vom talmud als ich, aber wenn Du
derartige Eindeuigkeiten daraus ableiten willst,
dann frage ich mich, wie Dir an manchen Stellen
nicht die Haare zu Berge stehen können. Auch in der
Thora stehen schließlich Sachen, die, entsprechend
interpretiert, nicht gerade pazifistisch klingen.
Wenn ich zudem davon ausgehe, daß die Rabbiner
ähnlich spitzfindige Deutungen vom Stapel lassen wie
die christlichen Theologen, dann nehme ich mir schon
besser die Freiheit heraus, immer wieder zu fragen:
Wie kommt ihr darauf, das ausgerechnet so und nicht
anders zu sehen? Dogmen solcher Art erscheinen mir
aber immer verdächtig und haben mich noch nie
überzeugt. Außerdem nteressiert mich der ganze
Kram auf der Meta-Ebene. Warum muß die
Kainsgeschichte denn unbedingt so gedeutet werden?
Vielleicht gibt es ja eine psychologische
Notwendigkeit, es unbedingt so sehen zu wollen?
Weder Thora noch Talmud sind schließlich fix und
fertig vom Himmel gefallen. Immer wieder sind es
Menschen gewesen, die die Schriften tradiert haben.
Diese aber geben Aufschluß über das Denken und
Selbstverständnis eines Volkes. Ich möchte den
g'ttlichen Einfluß darin gar nicht leugnen, aber wie
die Anteile sich darin verteilen, kann ja wohl
keiner aufzeigen. Daher stimme ich mir Dir überein,
was Du von der sogenannten absoluten wahrheit
schreibst. Ich bin trotzdem gespannt über
die Meinung der "Weisen". Liebe Grüße
Andreas
Das Kajinsmal gibt nicht viel
her. Die Jerusalemer Bibel meint, es sei ein
Zeichen einer Sippe, die für ihre Blutrache
berüchtigt war und so Kajin schützte. Rashi meint
dieser Teil der Geschichte sei nicht klar definiert.
Er meint G-tt hätte ihm einen Buchstaben seines
heiligen Namens auf die Stirn gebrannt. Wichtiger
erscheint mir, dass die Strafe erst in der 7.
Generation erfolgt. Karsten
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