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Archivierter Forumsbereich: Diskussionen 2000 - 2001: Erst denken, dann schreiben!

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Wer ist reich?

Forum haGalil - Board B: Bnej Noah: Nicht mehr und nicht weniger...: Wer ist reich?
   By Karsten on Unrecorded Date: Edit

Ben Zoma sagte: wer ist weise? Der von jedem
Menschen lernt.

Wer ist ein Held? Der seine Triebe überwindet.

Wer ist reich? Der mit seinem Teil zufrieden ist.

Wer ist geehrt? Der die Menschen ehrt.

Talmud, Aboth
(Sprüche der Väter)

Also, mit alledem habe ich immer noch so meine
Probleme.

Von anderen lernen lasse ich mir ja noch gefallen,
aber mit dem zufrieden sein was ich habe. Ich
mußte doch immer alles haben. Ich wußte zwar nicht
was ich wollte, aber davon wollte ich ganz viel
und zwar jetzt und natürlich mehr als alle anderen.
Mein halbes Leben habe ich damit verbracht, Dingen
nachzulaufen, von denen ich heute weiß, dass ich
sie nicht brauche.

Ein Held bin ich sicher auch nicht. den einzigen
Trieb, den ich zum Stillstand gebracht habe(heute
jedenfalls) ist das Trinken und das Spielen. An
allem anderen arbeite ich noch. Ist ein weites
Feld und wie eine Dose voll Würmer. Wenn man
reinfaßt findet man immer einen neuen Wurm.

Ehre ich die Menschen? Sicher nicht so wie es dort
gemeint ist.
Es gibt für mich also noch viel zu tun.

   By Inge on Unrecorded Date: Edit

Hallo Karsten,

es ist keine Mitzwa, perfekt zu sein, das wird nirgendwo in der Torah gefordert. Aber es ist eine Mitzwa, sich darum zu bemühen.

Liebe Grüße und git Woch!
Inge

   By Karsten on Unrecorded Date: Edit

Liebe Inge,
mein größtes Problem zur Zeit ist: je mehr ich studiere, je mehr ich lerne, je mehr leide ich unter meiner Unwissenheit.
Eigentlich müßte ich meine Nebenbeschäftigung hier in der Firma aufgeben und nur noch studieren. Aber was soll ich Dir sagen, das steht geschrieben: ein Thorastudium ohne eine weltliche Erwerbstätigkeit führt zur Sünde. Und dann habe ich noch gefunden: ohne Mehl keine Thora und ohne Thora kein Mehl.
Was folgt für mich daraus? Weiter bemühen und kleine Schritte machen.
Schade nur, dass man Erfahrungen und das gelernte nicht genetisch vererben kann.
Aber wiederum währe das ja auch langweilig.
Liebe Grüße
Karsten

   By Inge on Unrecorded Date: Edit

Lieber Karsten,

dein letzter Satz bringt es doch haargenau auf den Punkt :). Wo wäre das Verdienst und wo das gute Gefühl, einen kleinen Schritt geschafft zu haben, wenn schon alles ohne Mühe vorhanden wäre?

Torah und Mehl, Mehl und Torah, das Prinzip zieht sich durch unser ganzes Leben und das hat seinen Sinn. Wenn du dir die Gesetzestafeln ansiehst, da ist nicht nur das Verhältnis von dir zu G-tt geregelt, sondern auch das zu den Menschen. Unser Leben besteht aus den Teilen "Welt" und "G-tt", "Profanes" und "Heiliges", "Arbeit" und "Ruhe", "Mehl" und "Torah", Kiddusch und Hawdala .... Jedes "Ding" braucht seinen Gegenpart, um überhaupt für uns existent und erkennbar zu sein. Jedes braucht seinen komplementären Partner. Was sollte ein Lehrer sein, wenn er keine Schüler hätte, was sollte in Ruhetag sein, wenn ich nicht wüsste, was Arbeit ist, was sollten mir der Mensch und die Welt bedeuten, wenn da nicht G-tt wäre. Der Mensch kann nur aus dieser "Spannung" zwischen den Komplemantären überhaupt existieren, finde ich.

Das heißt für mich, dass mir das Ziel verloren ginge, sobald ich keinen Startpunkt mehr hätte. Man verliert aber seinen Startpunkt, wenn man sich einbildest, am Ziel - also perfekt - zu sein. Werd also bitte nie perfekt.

Liebe Grüße!
Inge

   By Karsten on Unrecorded Date: Edit

>Werd also bitte nie perfekt.

Liebe Inge,
es gibt nicht viele Dinge, die ich versprechen kann. Es heißt auch: verspreche wenig und tue viel.
Aber perfekt werde ich nie. Das ist kein Versprechen. Das ist ein Tatsache, unausweichlich und ewig.
Liebe Grüße
Karsten

   By ammon on Unrecorded Date: Edit

"Ich bin glücklich arm zu sein. Arm bin ich schon, jetzt muß ich nur noch lernen glücklich zu sein :-)" wj-1998

Meine Eltern waren arm, mit vielen Talenten ausgerüstet, machte ich mich auf den Weg reich zu werden um dann Gutes tun zu können.

Jetzt bin auch ich arm, und habe gesehen wie die Menschen mit ihrem Reichtum ihre Seele verkauften und ihren Gott, der ihnen Reichtum gewährte, vergaßen.
Und diejenigen die Reich sind, und in allem die Hand Gottes erkannten und erkennen, sind reich um die Armen und Witwen zu trösten, die Nackten zu kleiden und die Gefangenen zu befreien.

Und in meiner Armut ließ mich mein Gott, der Gott Israels, erkennen, daß meine Armut, mein Schutz und mein mir von Gott gewährter Reichtum ist. Ein Reichtum und Frieden, den ich mit Dir teilen will.

Ein Reichtum in den Grenzen, die mir von Gott gesteckt wurden, und die ich endlich anerkannt habe. Hier tue ich mein Bestes und gebe mein Bestes, alles was ich kann und was man mich tun läßt, und ich habe Freude am und im Leben und an meinen Früchten.

Liebe Grüße von "ammon"

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