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Fundamentalismus vertreibt Religion

Forum haGalil - Board B: Religion gegen Fundamentalismus: Fundamentalismus vertreibt Religion
   By LeoS on Unrecorded Date: Edit

Lieber Itaj, ich habe mir erlaubt einen Kontrapunkt zu deinen sehr richtigen Thesen zu setzen. Fundamentalistisches Gebaren vertreibt meiner Ansicht nach das Volk von der Religion. Dies ist zumindest hier in Israel deutlich erkennbar. Die Abneigungen werden immer tiefer. Die meisten fragen sich ob man diese Dinge eigentlich noch ernst nehmen kann.
Eine Meldung von heute: Rabbi Moshe Maya, a member of the ultra-Orthodox Shas Party Council of Torah Sages, has called for placing Attorney General Elyakim Rubinstein in excommunication.
As an Orthodox Jew, Rubinstein would not be permitted to be counted in a prayer quorum of ten and persons would not be permitted to have dealings with him.
In an interview in an Orthodox news magazine released on Thursday, Maya is quoted as saying that Rubinstein has sold his religion for a seat on the High Court of Justice. The rabbi's remarks come after the attorney general has issued a call to launch a police investigation into the party's
spiritual leader, Rabbi Ovadia Yosef, for remarks he made against Minister of Education Yossi Sarid.

Das klingt doch irgendwie nach Mittelalter?
Leo Sch.

   By Itaj on Unrecorded Date: Edit

Hallo Leo,
ich finde Du hast wirklich recht. Ich denke, die größte Gefahr ist, dass Religion zu einem politischen Machtinstrument verkommt.
Und das macht mir wirklich Angst!

   By LeoS on Unrecorded Date: Edit

Nun, Dan hat es schon in einem anderen Forum gesagt, den Schass geht es um Geld. Sie brauchen sehr viel Geld um ihre Leute zu ernähren, die von ihnen abhängig sind. Letztendlich geht es um Macht. Die Hetze gegen Sarid ist völlig unbegründet. Er hat einfach nicht genug Geld um die Schulden der Schass zu bezahlen. Jeder Minister hatte mit dieser Partei ähnliche Probleme. Ich erinnere mich noch wie Ministerin Aloni beschimpft wurde, ich will es garnicht wiedrholen.
Mordhetze ist allerdings, zumindest von so hoher Stelle aus, ein weitere Schritt nach unten. Mich stimmt dies traurig, wenn ich an meine alten Rabbiner denke.
Leo

   By Hannes Stein on Unrecorded Date: Edit

dear friends,
ich möchte das motto gern umdrehen und behaupten:
religion vertreibt fundamentalismus. in "pirke
awot" wird gesagt, wir sollen "einen zaun machen
um die tora" - die fage ist: was befindet sich
außerhalb dieses zauns? die gängige antwort: der
atheismus, das "epikuräertum". aber es gibt
deutliche hinweise, dass sich außerhalb des zauns
auch das feindesland des religiösen fanatismus
befindet. die mitzwot sollen uns auch davon
abhalten, "des guten zuviel zu tun" (so wird
asketismus in der tora nicht nur nicht ermutigt,
sondern verurteilt?.
eine partei wie "schass" kann man doch gar nicht
ernst nehmen, nicht als religiöses phänomen. nur
als soziologisches: viele misrachim fühlen sich
immer noch tief verletzt durch die mapai-politik
der 50er jahre, und deswegen rennen sie rav josef

   By L. Schlesinger on Unrecorded Date: Edit

Lieber Hannes, Schalom!
Im ersten Punkt kann ich zustimmen. Unsere schriftliche und mündliche Lehre, als auch unsere Geschichte, vermitteln ein klare Absage an fundamentalistischen Fanatismus. Trotzden hat es solche immer gegeben und das Resultat war immer katastrophal. Chasal haben demenstsprechend reagiert und solche Tendenzen in überwältigender Mehrheit scharf verurteilt. Wir sollten uns mehr damit auseinandersetzen und die einzige Möglichkeit sehe ich in der Argumentation und Hilfe der Lehre.
Wie wichtig den Fundamentalisten die Lehre ist, zeigen sie jeden Tag, indem sie die Grundlagen des Judentums missachten, Fluchen und leichfertig mit Leben und Ehre der Nächsten umgehen. Dass dies nicht Judentum ist, können wir nur immer wieder betonen und wir brauchen dazu eine weite Verbreitung und Verwurzelung unserer Lehren. Wir müssen die Lehre zurückholen, so scheint es mir, etwas proklamativ ausgedrückt.
Im zweiten Punkt muss ich widersprechen. Das Potential und die Bereitschaft der Schas mit wildester Polemik ihr Ziel zu erreichen ist nicht zu unterschätzen. Kaum einer wagt schon klaren Widerspruch, weil die Antworten immer erschreckender ausfallen.

   By Uriel Kashi on Unrecorded Date: Edit

An Herrn Stein,
Ich vermute sehr, daß sie DER Hannes Stein sind, auf den ich als Redakteur des Rheinischen Merkur schon länger ein Auge geworfen habe. Vom Schreibstil her besteht eigentlich kaum ein Zweifel, falls ich mich jedoch irren sollte, bitte ich schon jetzt um Entschuldigung.
Ich muß zugeben daß ich mich sehr gewundert habe, sie gerade im Forum über Fundamentalismus anzutreffen. Ihr eigenes Buch „Moses und die Offenbarung der Demokratie" weißt schließlich genügend unverschämt rassistische Tendenzen auf... Dachte mir also, ich erzähle etwas über ihr Buch, damit die Leute wissen mit wem sie es zu tun haben...
Ich will gar nicht auf die inhaltliche Unsinnigkeit des Buches eingehen, sei es, wenn sie (S)Paulus als „mit allen talmudischen Wassern gewaschenen Rabbiner darstellen (den Talmud dürfte es zur Zeit Paulus noch nicht gegeben haben...) sei es, wenn sie schreiben daß in Bezug auf die Geschichte der Bindung Jizchaks Rembrandt Gottes Wort „tiefer begriffen (hat) als der Autor der Thora, der es nur buchstäblich nahm" (kein Komentar).
Stattdessen erinnere ich mich z.B. an ihr Kapitel „Die Weisen aus dem Abendland". Hier vergleichen sie erstmals die islamische Religion (böse böse) mit dem „Judäochristentum" (was immer das auch sein mag.) (natürlich durchweg gut) Der Islam als „groteskes Zerrbild des „Judäochristentums" (S. 44) sei nur eine heidnische Religion, der Koran nur ein bunter Flickenteppich aus Erzählungen gegen die Untaten der Kinder Israels. Daß es zur Zeit keine demokratischen arabischen Staaten mit Redefreiheit und frei gewählte Parlamente gäbe, sei mit dem Wesen des Islam zu begründen, da jegliche Kritik der islamischen Offenbarung die Grundlage entziehen würde. Gegenüber des demokratischen „jüdisch-christlichen Westens" stehen die islamischen Länder auf einer niedrigeren Zivilisationsstufe, in welcher die Fähigkeit des Erhalts von Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit unmöglich seien. Die Abkehr von der „unablässige Gewalttat zur höheren Ehre Allahs" (S48) als wohl fester Bestanteil dieser Zivilisationsstufe sei nur sich durch das Ablegen des „Gestrüpps von Brauchtum und Aberglaube" (Islam) möglich, und das Gehen des Weges ins Offene (das soll wohl wieder jenes legendäre Judäochristentum sein).
Ihre wohl witzig gemeinte Darstellung Paulus als „den fähigsten Agenten , den die jüdische Weltverschwörung je hervorgebracht hat" empfinde ich als geschmacklos. Und wenn ich dann) von ihnen zu lesen bekomme „Der Pazifismus war immer eine antisemitische Ideologie." (S 78), dann kommt mir wirklich das Grauen.
Unverständlich sind mir auch Sätze wie: „Auch Jesus Christus wäre es nicht gelungen, in der Gaskammer von Auschwitz die andere Wange hinzuhalten" als Interpretation der Purim-Geschichte (zur Stelle der Erhängung Hamans und seiner Söhne etc ) oder ihre Bezeichnung des Nationalsozialistischen Regimes als „Diktatur der Tierfreunde" (weil Himmler sich wohl zum Tierschutz bekannte).
Herr Stein, sie trampeln in ihrem Buch ununterbrochen auf den Gefühlen der Menschen herum, sie sich mit diesen Themen ernsthaft beschäftigen. Auch schüren sie Haß zwischen den drei Weltreligionen statt zu deren Verständigung beizutragen. Mir haben manche Stellen wirklich weh getan. Daß ihr Buch in nobelster Aufmachung 1998 im RORORO Verlag erscheinen darf , ist schon traurig genug, aber was sie in diesem Forum suchen, ist mir völlig unverständlich.
Mit Gruß
Uriel

   By LeoS on Unrecorded Date: Edit

Herr Stein, ich hätte dann doch auch ganz gerne erfahren, was sie zu Uriels Bemerkungen sagen. Nach den angegebenen Zitaten frage auch ich mich, was sie hier bezwecken und welcher fundamentalistischen Couleur sie selbst anhängen.

   By Uriel Kashi on Unrecorded Date: Edit

Nur um Missverständnissen vorzubeugen (hat es bereits gegeben): Herr Stein ist für den Rheinischen Merkur tätig, nicht ich...
Gruß
Uriel

   By Hannes Stein on Unrecorded Date: Edit

dear friends,
ich könnte mich jetzt ironisch aus der affaire
ziehen und uriel kashi dafür danken, dass er
werbung für mein buch macht (das übrigens nicht
bei rororo, sondern im rowohlt berlin verlag
erschienen ist). aber man soll nicht zu witzig
sind. also zwei anmerkungen:
1. mein satz "der pazifismus war immer eine
antisemitische ideologie" steht nicht allein da.
weiter heißt es im text: "von anfang an gehörte es
zu seiner rhethorik, den grausamen kriegs- und
rachegott der juden vom sanften christus zu
unterscheiden: hie das alttestamentarische `auge
um auge, zahn um zahn´ - und hie die bergpredigt
mit dem gebot ´liebet eure feinde´." brillant hat
diese rhethorik (und ihren antijüdischen
untergrund) elizabeth anscombe analysiert, in
ihrem essay "war and murder". WIE antisemitisch
diese art der pazifistischen rhethorik tatsächlich
ist, konnte jeder während des golfkriegs
studieren.
2. es ist wahr: ich kritisiere den islam. dabei
finde ich meine kritik aber noch moderat,
verglichen mit manchen passagen in franz
rosenzweigs "stern der erlösung"! mohammeds
schöpfer, heißt es dort, sei "reich ohne alle
welt"; allah sei "der schöpfer, der es auch hätte
unterlassen können zu schaffen. seine macht
erweist sich wie die macht eines orientalischen
gewaltherrschers nicht in der schaffung des
notwendigen :, sondern in der freiheit zur
willkürtat". trotz des "heftig und hochmütig
vorangetragenen gedankens der einheit gottes"
münde der islam deshalb in ein "monistisches
heidentum". was an solcher theologischen kritik
rassistisch sein soll, verstehe ich wirklich
nicht. auch meine feststellung, dass es keinen
islamischen demokratischen staat gibt, ist nicht
rassistisch; nur leider richt

   By Hannes Stein on Unrecorded Date: Edit

Lieber Leo Schlesinger,
es ist gewiss kein spaß, wenn raw owadiah josef
alle 3 wochen jemand anderen zu "amalek" erklärt
und die schassniks glauben, sie seien über das
gesetz erhaben. theologisch ernstnehmen kann ich
all dies trotzdem nicht.
als antwort auf ihre frage: ich stehe "meimad"
nahe, finde es fatal, dass chilonim und datiim in
israel keine gemeinsame sprache mehr sprechen.
glaube nicht, dass man dem fundamentalismus mit
den phrasen der aufklärer aus dem 18. jahrhundert
beikommt und halte "chamorro schel maschiach" für
ein schlechtes, antisemitisches pamphlet.
schalo

   By Uriel Kashi on Unrecorded Date: Edit

An Herrn Stein
Ihre Antwort empfinde ich natürlich als unbefriedigend. Ungeschickt versuchen sie mir die Worte im Munde zu verdrehen.
Hier eine kurze Antwort, obwohl ich kaum Hoffnung auf eine fruchtbare Diskussion habe.
Ihr Argument, sie seien im Verhältnis zu Rosenzweig eher moderat, empfand ich als ziemlich lachhaft.
Eine theologische Kritik am Gottesbild des Islam zu äußern ist selbstverständlich nicht rassistisch, auch wenn ich Rosenzweigs Ausdruck
„Monistisches Heidentum" als etwas hochgegriffen empfinde. Die argumentieren jedoch auf einer ganz anderen Schiene und zeichnen ein Bild einer islamischen Gefahr ansich, die nichts mit Theologie zu tun hat. Außerdem kritisiere ich nicht ihre Behauptung es gäbe keine islamisch-demokratischen Staaten , sondern die Behauptung, daß solch eine Verbindung unmöglich ist und daß zur Wahrung der Demokratie sich alle Moslems einem „Judäochristentum" zuwenden müßten.
Ihre Aussage zum Pazifismus ist eine schallende Ohrfeige in das Gesicht eines jeden jüdischen Pazifisten. Daß es antisemitische Strömungen in jeder Ideologie, und somit auch im Pazifismus gab, ist kein Beweiss, daß die Ideologie ansich antisemitisch ist.
Zum Schluß erlauben sie mir einen kurzen Kommentar zu ihrem Namenswechsel von Hannes zu Jochanaan. Ich gebe zu, dieser hat mich wirklich amüsiert. Ich kenne ihren biographischen Hintergrund nicht, doch macht auch ein jüdischer Name ihr Geschreibsel nicht.besser.
Liebe Grüsse an alle meine Freunde ;-)
Uriel
PS: Richtig ist, daß Steins Buch bei rowohlt berlin verlag erschienen ist, RORORO verlegte ein anderes Buch des Autors.

   By Karl Rapp on Unrecorded Date: Edit

Hallo und guten Tag,

für das Neue Jahr 2001 und darüber hinaus habe ich einen großen Gebetswunsch und der lautet:

HERR GOTT DU Schöpfer dieser Welt, mach doch bitte diesem unseligen Getriebe der Menschen ein Ende. Wir Menschen sind nicht in der Lage, friedlich zusammenzuleben. Wir brauchen DICH.
Deshalb komm und hilf uns allen. Den Christen als Christus, den Juden als Messias, den anderen allen als der, der DU bist.
Aber komm bald!!!!!!!!!!!!!!!

   By Maika on Unrecorded Date: Edit

... und was war dein Wunsch für 5761?

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