Spalter Heiligenblut-Wallfahrt
Themenbereiche | Explorer-Ansicht | Forenübersicht | Suche | Registrieren | Login | Logout |
Profil | Anleitungen | Kontakt |
Letzter Tag | Letzte 2 Tage | Letzte 3 Tage | Letzte Woche
     
Forum haGalil - Board A » MITTELEUROPA UND DIE WELT » Spalter Heiligenblut-Wallfahrt « Zurück Weiter »

  Inhalt Letzter Sender Beiträge Seiten Letzter Beitrag
Archiv bis und mit 21. Oktober, 2005Satyarani28 21. 10. 05  07:07 
Archiv bis und mit 11. November, 2005Erich Schredl27 11. 11. 05  12:07 
Archiv bis und mit 05. Dezember, 2005Efem28 05. 12. 05  09:30 
Archiv bis und mit 07. Dezember, 2005Wernerl28 07. 12. 05  14:03 
Archiv bis und mit 12. Dezember, 2005Miriam28 12. 12. 05  14:14 
Archiv bis und mit 14. Dezember, 2005Kari28 14. 12. 05  11:45 
Archiv bis und mit 15. Dezember, 2005Erbo28 15. 12. 05  20:59 
Archiv bis und mit 20. Dezember, 2005Erbo28 20. 12. 05  09:25 
Archiv bis und mit 22. Dezember, 2005Ruth_br28 22. 12. 05  07:15 
Archiv bis und mit 22. Dezember, 2005Miriam28 22. 12. 05  13:50 
Archiv bis und mit 27. Dezember, 2005Rage28 27. 12. 05  02:09 
Archiv bis und mit 28. Dezember, 2005Miriam28 28. 12. 05  14:51 
Archiv bis und mit 29. Dezember, 2005Mm20728 29. 12. 05  16:45 
Archiv bis und mit 01. Januar, 2006Wernerl28 01. 01. 06  18:25 
  Neues Diskussionsthema beginnen        

Autor Beitrag
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2976
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2006 - 21:33 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Das ist richtig, Werner. Ich schreibe schon die ganze Zeit gegen die Charakterisierung unserer Forumsunterhaltung als "wissenschaftlich" an. Sie ist alles mögliche, aber bestimmt nicht das.

Irrationalität und Emotionalität sind eng miteinander verknüpft, wenn auch nicht deckungsgleich. Unser Thema war ja der Gefühlsüberschwang, das Ersetzen vernunftmäßiger Überlegungen oder Einsichten durch "das Herz" (oder den "Bauch"?). Hierfür wäre der erste Begriff wahrscheinlich der treffendere.

Nun wissen wir ja alle, dass der Mensch von beidem beeinflusst ist, doch das jeweilige Maß (und die Bemühung um dieses Maß) liegt bei jedem selbst.

Monika
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Wernerl
* New Member
Benutzername: Wernerl

Nummer des Beitrags: 68
Registriert: 09-2005
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2006 - 23:10 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

-

ja, die bemuehung um jenes maß, das ist ein teil der von mir eingeforderten (eigen)-verantwortung. womoeglich ist die vokabel "eigenverantwortung" gar nicht richtig, weil sie insinuieren kann, das jeweilige individuum koenne sich in ausuebung dieser verantwortung ins "eigene" zurueckziehen, und das halte ich fuer falsch.

w.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Ruth_br
****** Senior
Benutzername: Ruth_br

Nummer des Beitrags: 2134
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 13:07 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich erweitere diesen Thread mal ein bisschen.

Hier hat ein anderer katholischer Pfarrer eher ungenaue Vorstellungen zu verschiedenen Themen, was ihn aber nicht hindert, im Wort zum Sonntag dazu zu predigen, gefunden via Davids Medienkritik

Und hier mein e-mail an ihn

Sehr geehrter Herr Wahl,

Aus Ihrem Wort zum Sonntag vom 17. Dezember 2005 wird deutlich, dass Ihnen ein romantisch verklaertes Arabienbild (das in Deutschland wohl wegen Karl May nicht selten vorkommt) in die Quere kommt.

Sie schreiben voellig richtig:

"Auge um Auge, Zahn um Zahn", ist keine Lösung. Auch wenn der Spruch aus der Bibel stammt. Ursprünglich war er eine Schadensbegrenzung, Er sollte die Rache im Rahmen halten, um sie nicht auszuweiten.

Was Sie sicher auch wissen und nur aus Zeitgruenden nicht ausfuehren ist, dass im Judentum diesen Grundsatz als Anleitung fuer Schadensersatzleistung herangezogen wurde. Es ist auch historisch kein Fall von einer Blendung bekannt.

Ganz im Gegensatz dazu werden entsprechende Strafen im Saudi-Arabien der Gegenwart verhaengt und zwar auf Grundlage der entsprechenden, aus der Thora entlehnten Aussage des Korans:


As it says in the Quran, 5.45, "And We prescribed to them in it that life is for life, and eye for eye, and nose for nose, and ear for ear, and tooth for tooth, and (that there is) reprisal in wounds; but he who foregoes it, it shall be an expiation for him; and whoever did not judge by what Allah revealed, those are they that are the unjust."

Now there is a similar passage in the Hebrew Scripture (Old Testament). However those Jews seem to have forgotten their roots and left it behind, they don't practice it these days.

Not so we Saudis. If it was good enough for our ancestors, it's good enough for us. What has happened in 1400 years that would make us do things differently? It was four wives then, it's four wives now. It was "eye for eye" then, it's "eye for eye" now.

Really? I hear you all gasping at that suggestion. After all, you say, who could be so primitive, so backward? We're not talking about some Amazonian tribe here, we're talking about the modern Kingdom of Saudi Arabia, where they have skyscrapers and jet planes and cellphones. A modern country, a member of the World Trade organization, wouldn't practice "eye for eye". Would it?

Yet another eye gouging verdict

EVEN as human rights organizations are fighting to overturn an eye-for-an-eye verdict given against an Indian worker in Dammam, a court in Taif has ordered a Saudi national to be blinded for the loss of vision of a compatriot.


Zitiert aus dem Weblog eines saudischen Buergers: http://muttawa.blogspot.com/2005_12_01_muttawa_archive.html#113557907723778178

Bitte lesen Sie dort weiter. Sie werden feststellen, dass die "Vergebung" durch Familienangehoerige des Opfers, die Sie so angeruehrt hat, mit hoechster Wahrscheintlichkeit wenig mit Vergebung im christlichen Sinn zu tun hat, sondern mit einer privatisierten Form von Schadensersatz, wobei die Hoehe des Schadenersatz nicht durch das Gericht festgelegt wird, sondern von der Kaufkraft der Taeterfamilie, dem Wert, den diese dem Taeter zugesteht und dem Verhandlungsgeschick und Geldgier der Opferfamilie abhaengt.

If you have the money, of course, you can "buy your eye back". (In theory, according to the Quran verse above, the victim is "he who forgoes it". However, and this is not covered in the Quran, he expects a nice pile of money in order to "forgo" it). In one case, the Saudi perpetrator is trying to "buy off" his victim, but is having difficulty getting the cash together.

Negotiations reached a pardon that includes payment of SR7 million, a home and a mosque. The amount was later lowered to SR3.9 million (over a million dollars). The Al-Anzi family is still trying to collect the required amount.


Und hier speziell zu solchen Praktiken bei Todesurteilen: http://muttawa.blogspot.com/2005_11_01_muttawa_archive.html#113334757836748378

Pardoning killers now big business in Saudi

The daily reported recently that pardoning killers has become a multimillion-riyal business. "Profit is now the motive of forgiveness," it added. "It is called blood money, and the families of some victims are cashing in, demanding sums beyond the reach of all but the very rich," it explained. Last year alone, more than SR40 million was paid to pardon eight people.

That's an average of $1.3 million each! You Christians out there, forgiving for free, you are missing out on a business opportunity here! After all, you could always appear to do it out of the goodness of your heart, but in reality collect something "under the table"!

Sources say there are even some cases in which families have publicly announced a killer being pardoned for the sake of God, but in reality a large sum had been paid to them under the table with silence about the payment being one of the conditions for forgiveness.


Diese Form des Loskaufs in letzter Minute hat wohl wenig mit dem christlichen Konzept von "Vergebung" zu tun. Tatsaechlich wird hier die Schadensersatzforderung sozusagen privatisiert. Nicht das Gericht setzt eine als angemessen erarbeitete Summe fest, sondern Verhandlungsgeschick, Nervenkraft, zugemessener Wert von Opfer und Taeter, Kaufkraft und Geldgier der Taeter- bzw. Opferfamilie bestimmen den Preis. Versuchen Sie sich einmal in den Todeskandidaten in einer solchen Situation hineinzuversetzen. Bis zur letzten Sekunde weiss er nicht, ob das Geschaeft zustande kommt und wenn es zustande kommt, ob er damit nicht seine Sippe ruiniert hat. Haben Sie Dostovjeskis Texte gelesen, in denen er seine Erfahrung der Begnadigung in letzter Sekunde beschreibt, wo Geld ueberhaupt keine Rolle spielt?

Noch ein Punkt zu Tookie Williams, dessen Hinrichtung ja wohl den Hintergrund zu Ihrem Wort zum Sonntag geliefert hat: Gehoert zum Konzept der christlichen Vergebung nicht die Reue? Ist nicht die Reue des Suenders Voraussetzung auch fuer G"ttliche Vergebung? Wenn Sie Gouverneur Schwarzeneggers Begruendung zur Ablehnung des Gnadengesuchs http://www.governor.ca.gov/govsite/pdf/press_release_2005/Williams_Clemency_Decision.pdf gelesen haetten, wuessten Sie, dass nicht "Auge um Auge" als Grund angegeben wurde, sondern die Tatsache, dass Williams nie Reue fuer seine Taten geaeussert hat, ja bis zum Schluss seine Unschuld beteuert hat, obwohl in 25 Jahren Verfahren kein Zweifel an seiner Schuld gefunden werden konnte.

Herr Wahl, haben Sie eine Idee, in welcher Weise Sie die doch sehr falschen Vorstellungen, die Sie mit Ihrem Wort zu Sonntag verbreitet haben, wieder richtig stellen koennten?

Ich erlaube mir, eine Kopie meines Mails an Davids Medienkritik zu schicken, ueber deren Seite http://medienkritik.typepad.com/blog/2006/01/german_tv_pries.html ich auf Ihr Wort zum Sonntag aufmerksam gemacht wurde.

Mit freundlichen Gruessen
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Hahahuhuhihi
Unregistered guest
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 14:41 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

>Herr Wahl, haben Sie eine Idee, in welcher Weise Sie die doch sehr falschen Vorstellungen, die Sie mit Ihrem Wort zu Sonntag verbreitet haben, wieder richtig stellen koennten?<


Sie schon wieder
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2981
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 16:06 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Einfach krank!
Selig die Armen im Geiste...
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Perry
****** Senior
Benutzername: Perry

Nummer des Beitrags: 872
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 16:25 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ruth,

ein kurzes Wort (da Off-Topic) von mir zu Tookie Williams. Tookie bestritt bis zu seiner Hinrichtung energisch, dass er die ihm vorgeworfenen Morde begangen hat. Er war zwar der Mitbegründer der berüchtigten Gang, den "Crips" und hatte gewiss einiges auf dem Kerbholz aber das Todesurteil gegen Williams wurde lediglich aufgrund von Indizien gefällt. Die Todesschüsse, die er begangen haben soll stammen zwar aus seiner Waffe, dass sind jedoch nur Indizien. Wie kann Tookie Reue an den Tag legen für eine Tat die er unter Umständen gar nicht begangen hat.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Schoschana
****** Senior
Benutzername: Schoschana

Nummer des Beitrags: 1407
Registriert: 02-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 17:40 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich verstehe jetzt nicht ganz, wie der Thread von christlicher Wallfahrt zum Strafrecht des Koran kommt... nur weil es ein katholischer Geistlicher ist, der sein "verklaertes Arabienbild" in einer Sonntagspredigt ausbreitet?
Gehoert dieses Thema nicht in einen anderen Thread, wenn schon?
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Ruth_br
****** Senior
Benutzername: Ruth_br

Nummer des Beitrags: 2135
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. Januar 2006 - 07:06 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Schoschana,

Du hast natuerlich Recht, ich war einfach zu bequem einen passenderen Thread zu suchen bzw. zu eroeffnen.

Perry,

das Verfahren gegen Tookie Williams wurde in den ueber 20 Jahren seit seiner urspruenglichen Verurteilung mehrmals revidiert und ueberprueft. In all diesen Verfahren konnte kein vernuenftiger Zweifel an seiner Schuld festgestellt werden. Offensichtlich war es ein recht eindeutiger und umfassender Indizienbeweis (uebrigens auch auf Aussagen verschiedener Zeugen begruendet).

Wenn Du zu einer Rechtsauffassung neigst, wo nur das Gestaendnis des Angeklagten die Schuldfrage endgueltig klaeren kann (wie es im europaeischen Mittelalter der Fall war), dann beachte, dass dadurch ein starke Motiv entsteht, den Angeklagten durch Druck (Folter) zum Gestaendnis zu zwingen.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Paulemann
*** Member
Benutzername: Paulemann

Nummer des Beitrags: 315
Registriert: 12-2002
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. Januar 2006 - 09:33 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich finde katholische Priester sollten sich gar nicht auf Diskussionen über Vergebung und Begnadigung einlassen. Die Positon der katholischen Kirche zur Todesstrafe ist eindeutig. Sie lehnt diese ab, solange es andere Möglichkeiten gibt, die Gesellschaft zu schützen. (Gefängnisse zum Beispiel und davon gibt es in Amerika genug).

So steht es jedenfalls im Katechismus und da steht schliesslich drin, was Katholiken zu glauben haben. Deshalb gibt es keinen Grund eine Praxis zu loben, die die Todesstrafe ja voraussetzt und nur die Hinrichtung abhängig macht von der Vergebung der Opfer-Angehörigen.

Aus katholischer Sicht ist das suboptimal.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Wernerl
* New Member
Benutzername: Wernerl

Nummer des Beitrags: 70
Registriert: 09-2005
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. Januar 2006 - 14:10 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

-


weitere literatur:

perry, marvin und schweitzer, fredrick:
"jewish-christian encounters over the centuries" NY 1994

trachtenberg, joshua:
"the devil and the jews: the medieval conception of the jew and it's relation to modern antisemitism" - philadelphia 1986

klein, charlotte:
"theologie und antijudaismus. eine studie zur deutschen theologischen literatur der gegenwart" muenchen 1975


w.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Perry
***** Advanced
Benutzername: Perry

Nummer des Beitrags: 1299
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Mittwoch, 21. März 2007 - 23:22 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich habe mir gerade nochmal folgenden Comicstrip von Daniel Haw angeschaut:

http://www.israeli-art.com/satire/judensau.htm

In der Wikipedia gibt es eine Auflistung, wo in Deutschland noch überall diese "Verzierungen" prangen, unter anderem auch in, man höre und staune: SPALT (Ortsteil Theilenberg) am Kirchturm

http://de.wikipedia.org/wiki/Judensau

Pfarrer Schredl hätte wohl noch einiges zu erklären, wenn er hier noch schriebe.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Perry
***** Advanced
Benutzername: Perry

Nummer des Beitrags: 1542
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Sonntag, 30. März 2008 - 01:09 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Weils es hier im Thread passt:

Der katholische Antijudaismus ist wiederauferstanden

Micha Brumlik, Hochschullehrer und politischer Publizist

Micha Brumlik kritisiert, dass Papst Benedikt XVI. ein Karfreitagsgebet zur Bekehrung der Juden zugelassen hat. Der jüdisch-katholische Dialog sei dadurch zerstört.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat fürs Erste die offiziellen Kontakte zur katholischen Kirche abgebrochen. Einige jüdische Referenten haben ihre Teilnahme am demnächst in Osnabrück stattfindenden Katholikentag abgesagt. Ursache ist ein auf den ersten Blick eher skurril wirkendes Detail. Nach längeren Diskussionen hat der als Josef Ratzinger geborene Papst Benedikt XVI. eine Verfügung erlassen, wonach in der lateinischen Messe, die faktisch nur von den wenigsten Katholiken gefeiert wird, am Karfreitag ein Gebet gesagt wird, das sich in der autorisierten Übersetzung so liest: „Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen...“ Was wie der Wunsch klingt, das Judentum möge aufhören zu existieren.

Die Änderung markiert kirchenpolitisch einen schweren Rückschritt und erhärtet den Verdacht, dass der Papst einen Teil jener Fortschritte, die vor mehr als vierzig Jahren das II. Vatikanum erbrachte, rückabwickeln will. In den 50er- und 60er-Jahren war der katholischen Kirche klar geworden, dass der kirchliche Antijudaismus zum Holocaust beigetragen oder zumindest die weitgehende Entsolidarisierung der Kirche mit den verfolgten und ermordeten Jude befördert hat.

Daher haben das zweite Vatikanum und auf seiner Basis Paul VI., vor allem aber Johannes Paul II. – der als junger Mann während des Zweiten Weltkriegs in Polen das Schicksal seiner jüdischen Freunde miterleben musste –, eine nicht mehr feindliche Haltung gegenüber dem Judentum eingenommen. Sie schlug sich in der von Paul VI. erneuerten normalen Karfreitagsliturgie nieder, wo es heißt: „Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: er bewahre sie in Treue in seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.“

Der Karfreitag war für Juden während des ganzen hohen Mittelalters ein Tag der Schrecken: Aus Angst vor fanatisierten Massen, die den angeblich von den Juden getöteten Gottessohn rächen wollten, wurden die Gettotore geschlossen, jüdische Würdenträger mussten sich nicht selten von den zuständigen Bischöfen eine demütigende, rituelle Ohrfeige verabreichen lassen, nicht selten kam es über Ostern auch tatsächlich zu Pogromen. In Erinnerung an diese Geschichte und auf der Basis sorgfältiger theologischer Forschung hatten das Vatikanum und schließlich Johannes Paul II. jede Form des kirchlichen Antijudaismus aufgegeben und verurteilt. Das schlug eine neue Seite im jüdisch-christlichen Dialog auf, führte zu einer nicht mehr von Befürchtungen, sondern Hoffnungen getragenen Haltung vieler jüdischer Geistlicher gegenüber dem katholischen Christentum.

Diese Hoffnungen sind zerstoben und die zarten Grundlagen neuer Gemeinsamkeit zerstört. Die katholische Kirche ist zu einem, wenn auch der Form nach moderaten, Antijudaismus zurückgekehrt. Warum dieser Rückfall nötig war, wird Kirchenhistoriker noch lange beschäftigen. Dass es ein deutscher Papst war, wird dabei eine Rolle spielen. Vorerst ist theologisches Porzellan zerschlagen und mühsam erworbenes Vertrauen verspielt – nicht das, was man von einer Kirche der Liebe und Versöhnung erwartet hätte.


Und natürlich auch dieses
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Rika
**** Intermediate
Benutzername: Rika

Nummer des Beitrags: 1134
Registriert: 06-2006
Veröffentlicht am Sonntag, 30. März 2008 - 10:14 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

"Sind Juden "Fehlegeleitete" und "Verstockte"?

Prof. Dr. Gerhard Amendt

Eine Absage der Teilnahme am
deutschen Katholikentag

an den Präsidium
des Deutschen Katholikentages
Osnabrück 2008 26. März 2008


Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Franz-Josef Bode,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans Joachim Meyer,

auf Einladung des Präsidiums des 97. Katholikentags habe ich einen Vortrag zu dem hochaktuellen Thema "Väter ohne Kinder? Situation und Lebensgefühl geschiedener Väter" zugesagt. Ich wollte aus den Erkenntnissen meiner Forschung zu "Scheidungsvätern" vortragen. Diese Zusage widerrufe ich.

Die Gründe dafür sind keineswegs belanglos, sondern äußerst schwerwiegend. Sie liegen in den Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zur lateinischen Karfreitagsfürbitte. Darin wird ..."
http://www.juedische.at/

(Beitrag nachträglich am 30., März. 2008 von Rika editiert)
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Perry
***** Advanced
Benutzername: Perry

Nummer des Beitrags: 1543
Registriert: 08-2004
Veröffentlicht am Sonntag, 30. März 2008 - 11:03 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Danke für den Hinweis, Rika.
Aus Amendt`s Brief:

Der Alleinvertretungsanspruch Roms - alles umfassend, nichts neben sich tolerierend - wird alle ökumenisch Gesinnten zwar brüskieren. Mentalitätsgeschichtlich ist aber viel bedeutsamer, dass damit antijüdische Ressentiments bis hin zur Tötung der "Christusmörder" wieder zu Amt und Würde gelangen.

Das ist sozusagen die gesellschaftspolitische Potenz der päpstlichen Äußerung für die Zukunft. Das Gefährliche daran ist, dass kirchlicher Antijudaismus mit dem säkularen
Antisemitismus in brisanter Virulenz in krisenhaften Gesellschaftsverläufen sich wieder zusammenbinden lässt oder automatisch zusammenfindet.


Deshalb ist gänzlich unerheblich, wie viele Katholiken vom lateinischen Ritus zurzeit Gebrauch
machen oder nicht.

Der Schritt des Papstes, Identitätsstiftung durch Ausgrenzung von Juden und im Denken von Gegensätzen von Freund und Feind oder von Gott-geliebten und von
Gott-nicht-geliebten Menschen als massenpsychologisch wirksame Mechanismen sowie als Option katholischer Religiosität hinzunehmen, ist verwerflich. Es lässt das
prekäre Kalkül erkennen, Einzelnen Pseudoindividualität und Gefühle falscher wie aggressiver Gemeinsamkeit als zukünftiges Verhalten zu gestatten.

Die Geschichte der Juden hat bis in die jüngste Gegenwart schreckliche Erfahrungen mit dieser Seite des Katholizismus gemacht. Dass Rom hin und wieder Pogromen Grenzen setzte,
vermag daran auch nichts zu ändern.


Die Kirche hat nichts aber auch gar nichts dazugelernt.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Rage
***** Advanced
Benutzername: Rage

Nummer des Beitrags: 1996
Registriert: 10-2003
Veröffentlicht am Sonntag, 30. März 2008 - 11:50 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Dass es ein deutscher Papst war, wird dabei eine Rolle spielen.

dazu siehe auch:

Die sechs wichtigsten Deutschen im Vatikan

in seinem beitrag Papst ohne Heiligenschein beleuchtet Prof. Hubertus Mynarek u.a. rolle und einfluß der berüchtigten 'opus dei'-organisation im vatikan und die verknüpfung Ratzingers mit ihr.

über den beschluß der rabbinerkonferenz, den christlich-jüdischen dialog auf eis zu legen berichtet domradio.com:

Denkpause im Dialog
Italiens Rabbiner protestieren gegen Karfreitags-Fürbitte - Kardinal Kasper: "Keine Judenmissionierung"

Die Karfreitagsfürbitte äußere eine "Hoffnung und nicht den Vorsatz", unter Juden Mission zu treiben, betonte der Kurienkardinal, der auch für den Dialog mit dem Judentum zuständig ist. Kasper wies zugleich darauf hin, dass das Judentum Gebetstexte kenne, "die uns Katholiken nicht gefallen". Beide Religionsgemeinschaften müssten sich auch bei solchen Differenzen gegenseitig respektieren. "Ich verstehe nicht, warum die Juden nicht akzeptieren können, dass wir bei der Formulierung der Gebete unsere Freiheit nutzen."

dieses kleben am wort! dieses fehlen von mitgefühl (im sinne von compassion, des mit dem anderen fühlen, sich in den anderen einfühlen können), das das denken immer stur in die gleiche richtung, auf das gleiche ziel hin steuern und nie über den tellerrand blicken läßt!

dazu fällt mir zum wiederholten male Robert Manasse ein:

Die Vertreibung aus der Hölle

"Die Christen fassen alles nach dem Buchstaben auf, das ist das Problem mit ihnen. Wenn sie lesen, daß Menschen, die nicht an Christus glauben, wie dürre Äste sind, die verbrannt werden, dann verbrennen sie Menschen wie dürre Äste. Wenn man alles wörtlich nimmt, selbst wenn es dann zu solchen Konsequenzen führt, dann muß man sehr gefühllos sein. Also brauchen sie andere Gefühle. Ersatz. Das ist das Pathos. Das ist Christengefühl. Sozusagen das schöne Firmament über der Welt des Buchstabengefühls. Ohne Sinn und Empfindung für das Menschliche. An Gott zu glauben, an das Schöne der Schöpfung, an das Schöpferische überhaupt, an sich selbst als Mensch, und dabei Menschen zu verbrennen, zu vernichten, tief zu empfinden und dabei kein Mitleid zu haben - das kann nur, wer bloß an den Buchstaben glaubt und gelernt hat, ihm zu folgen. Liebe! Sim, Senhor! Hasse! Sim, Senhor! Hier steht es so, und hier steht es so! Immer muß die Antwort Ja sein! Das ist dumm. Keiner hat das Recht zu gehorchen. Wenn das Wörtliche mörderisch ist. Nur diese Menschen sagen Himmelsmacht, wenn sie von der Liebe reden, weil sie dann auf Erden weiter morden können."
(S. 244)


welches einfühlungsvermögen erwarten die leute von einem papst, der als großinquisitor der neuzeit die autoritären strukturen seiner familie weltumfassend durchsetzte? der über sich schrieb:

"Die Grundentscheidung meines Lebens" [...] "ist kontinuierlich, dass ich an Gott in Christus in der Kirche glaube und darauf hinzuleben versuche".

eine klare, hierarchische aussage: gott-christus-kirche.

vor diesem hintergrund erscheinen die beschwichtigungsversuche Walter Kaspers, dem präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und zuständig für die beziehungen der katholischen kirche zum Judentum (siehe auch: Notes on the correct way to present the Jews and Judaism in preaching and catechesis in the Roman Catholic Church), als absolut unglaubwürdig.

rage
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Wernerl
*** Member
Benutzername: Wernerl

Nummer des Beitrags: 359
Registriert: 09-2005
Veröffentlicht am Sonntag, 30. März 2008 - 16:56 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

.

mir fällt auf, dass von christlicher seite manchmal ins ungefähre oder schwiemelige ausgewichen wird, sobald es ans eingemachte geht.
wer sätze von sich läßt wie: "das judentum kennt auch texte, die uns katholiken nicht gefallen" - (das zitat ist leider etwas ungenau, ich weiss)- hat sich für mich als gesprächspartner als unsatisfaktionsfähig erwiesen. dass soetwas aus dem mund eines kardinals kommen soll, macht die sache besonders unerfreulich.
wie konnte ich nur so naiv sein, damals von freund schredl soetwas wie klare kommunikation zu erwarten...


.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Anatner
*** Member
Benutzername: Anatner

Nummer des Beitrags: 309
Registriert: 08-2000
Veröffentlicht am Montag, 31. März 2008 - 01:21 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

"Pfarrer Schredl hätte wohl noch einiges zu erklären, wenn er hier noch schriebe"

Perry, er wird wohl wissen, warum er nicht mehr schreibt. Solange er dachte es hier mit theologischen Laien zu tun zu haben, mit denen er als Profi wohl leichtes Spiel haben dürfte, war er ja sehr auf Diskussion aus. Lud herzlich ein, bat um Beiträge.
Als die aber nicht so waren, wie er erwartet hatte, und er auch keine Gegenargumente bringen konnte, hat er schnell "Vollbeschäftigung" vorgeschützt.
Erinnert mich ein wenig an die Chefin vom Ruhr-Verlag.

Diese Leute sind schlichtweg überfordert im tatsächlichen Dialog, da sie sich nie vorgestellt haben, dass da Argumente kommen könnten, an die sie selbst niemals denken würden.
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Yael1
****** Senior
Benutzername: Yael1

Nummer des Beitrags: 7154
Registriert: 02-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 01. April 2008 - 12:28 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Deutsche Juden brechen mit dem Papst

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat nach Angaben der israelischen Zeitung "Jerusalem Post" vom Montag erklärt: "Solange Papst Benedikt nicht zur früheren Formulierung (der Karfreitagsfürbitte) zurückkehrt, gehe ich davon aus, dass es keinen weiteren Dialog mehr geben wird"...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 31. März 2008

Obgleich Kardinal Walter Kasper erklärt hatte, dass die Fürbitte kein Aufruf zur Judenmission sei, erklärte Knobloch: "Implizit ist in der Karfreitagsfürbitte ein subtiler Aufruf zur Prosyletisierung der Juden enthalten, den ich als arroganten Affront auffassen muss und ein klarer Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bedeutet."

Professor Micha Brumlik aus Frankfurt sehe laut Jerusalem Post keine neue Welle des Antisemitismus, "aber es festigt Haltungen traditioneller Katholiken, wonach Juden weniger befähigt seien und finstere Herzen hätten."
Top of pagePrevious messageNext messageBottom of page Link to this message

Wernerl
*** Member
Benutzername: Wernerl

Nummer des Beitrags: 361
Registriert: 09-2005
Veröffentlicht am Mittwoch, 02. April 2008 - 00:33 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

.

die mittel mögen subtiler sein, aber der zweck scheint mir der gleiche wie ehedem:
diese fürbitte zielt darauf ab, das judentum überflüssig zu machen.
worin unterscheidet sich "überflüssig machen" von "vernichten"?

herr ratzinger wird es schwer haben, mir zu erläutern, warum es falsch ist, wenn ich ihm einen vernichtungswunsch unterstelle.

irgendein kurienmitglied hat mal über k.woitila gestöhnt und gesagt, der nachfolger werde bestimmt kein pole sein.
na prima. ist es halt ein deutscher geworden.
ich fand den klerus immer verdächtig. aber dass es gleich so herb kommen würde, wer hätte das gedacht. und das sind keine entgleisungen mehr, das ist mindestens billigendes inkaufnehmen.
hohmann, möllemann, ratzinger, rieger, worch.
what next?

w.


.

Beitrag verfassen
Momentan ist die Möglichkeit Beiträge zu veröffentlichen in diesem Bereich deaktiviert. Dies ist i.d.R. nur nach / waehrend technischen Stoerungen oder externen Angriffen der Fall. Wir suchen bereits nach einer Loesung, innerhalb der gegebenen Moeglichkeiten. Bitte wenden Sie sich nur in wirklich dringenden Faellen an die Forumsadministration oder einen der Moderatoren.

Themenbereiche | Letzter Tag | Letzte Woche | Explorer-Ansicht | Suche | Benutzerliste | Hilfe/Anleitungen | Lizenz Admin