Antisemitismus und Kritische Theorie
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Valters
* New Member
Benutzername: Valters

Nummer des Beitrags: 172
Registriert: 10-2004
Veröffentlicht am Montag, 27. Dezember 2004 - 22:43 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Danke Monika - kann mir gar nicht richtig erklären, wie ich daran vorbeikucken konnte Hatte ich Tomaten auf den Augen?...
Aber wahrscheinlich liegt es daran, daß mir die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu konservativ-national ausgerichtet ist und ich sie deshalb nur selten anklicke... Der mimosige Teilnehmer hier, der Entschuldigungen für "Duftmarken"-Kleinkram verlangt, selbst aber ohne moderierende Ermahnung übelste Beschimpfungsfeuerwerke verpöbelt, wird das sicher bezweifeln... *fg*

Tja, die Damen haben mein aufrichtiges Mitgefühl, setzen sie sich doch nun auch noch ihres positiven "Deutschgefühls" wegen gegenüber meinem Nörgelschatten dem Verdacht aus, daß sie eine "Partei der deutschnationalen Migrantinnen und Migranten" gründen könnten... Auch wenn das eben sarkastisch gemeint war - aufgrund seiner bisherigen Hirnakrobatik ist es dem "Jung mit'n Tüdelband" tatsächlich zuzutrauen, daß er mit seiner Interpretation zu diesem Text wieder in'n Tüdel kommt... *ggg* - Hm, eigentlich wollte ich diesen Blödmann ja ignorieren, aber der kleine Scherz mußte noch sein! ;-)

Valters
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Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2216
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 14:08 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Valters,

daß mir die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu konservativ-national ausgerichtet ist und ich sie deshalb nur selten anklicke...

kann ich mir denken.
Ich lese in der FAZ auch höchstens die Überschriften - und wenn, dann immer nur ganz flüchtig.

Was den Bericht der zwei Autorinnen angeht: Er ist gut zu lesen, und, ja, es könnte sein, dass manche (sich kritisch dünkenden) Köpfe die Stirne runzeln angesichts von Bekenntnissen wie "Wir sind Deutsche" oder "Deutschland ist unsere Heimat" oder "Ein Teil von uns hat sich so assimiliert, daß er, auch wenn er wollte, gar nicht mehr in die vielzitierte Parallelgesellschaft fliehen könnte."
Aber ach, die lesen ja keine FAZ...

Monika
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Lale
** Junior
Benutzername: Lale

Nummer des Beitrags: 204
Registriert: 01-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 14:34 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Im Zusammenhang mit dem FAZ-Artikel verlinke ich mal noch ein Interview, das mir in die Hände fiel zum Thema Integration - der Inteviewte ist mir nicht bekannt, falls er also problematisch sein sollte, sorry.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3903878_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html
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Baer
****** Senior
Benutzername: Baer

Nummer des Beitrags: 4781
Registriert: 05-2002
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 14:47 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

hier noch etwas zu Maxim Biller
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Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2218
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 15:15 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich bezweifle, ob man von Maxim Biller jemals eine Selbstbeschreibung wie die von Selda Demir und Mirijam Günter gegebene zu hören bekäme. Er würde wohl kaum erklären, "ein Teil ihrer [der Deutschen] Heimat – ja, Heimat! – Deutschland zu sein", ein Teil der "Normalität in Deutschland".

So, wie ich Biller bisher verstanden habe, will er eher das Gegenteil sein, wie auch immer das definiert sein mag (wenn er es denn überhaupt für sich definiert), oder ganz anders.

Monika
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Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2219
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 15:19 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

P.S. Hier wiederhole ich mal eine kleine Bitte zur "Haustechnik": Hyperlinks anstelle von langen URLs vermeiden, dass die postings "auseinandergezogen" werden und man hin- und herscrollen muss, um den Text zu lesen. Danke.
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Lale
** Junior
Benutzername: Lale

Nummer des Beitrags: 205
Registriert: 01-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 15:38 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Bekenne mich schuldig - technisches Unvermögen.
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Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2220
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Dienstag, 28. Dezember 2004 - 15:44 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Lale, das ist nicht so wichtig, es passiert immer wieder und ist nur eine Kleinigkeit.
Monika
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Fossi
* New Member
Benutzername: Fossi

Nummer des Beitrags: 5
Registriert: 12-2004
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Januar 2005 - 16:27 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Hallo, Forumsteilnehmer,

ich hatte zwei Wochen Urlaub und melde mich deshalb jetzt erst wieder. Wegen Zeitablauf und weil ich, glaube ich, gesagt hatte, ich sammele meine Ansichten zur Frage Juden und Geld ein (Asche auf mein Haupt) gehe ich jetzt nicht mehr auf Rc Sylvesters Fragen ein.

Ich habe die Beiträge der letzten zwei Wochen überflogen. Es schien mir insbesondere darum zu gehen, ob es sowas wie ethnische Gruppen in unserer Gesellschaft gibt. Ehrlich, im Bezug auf Migranten hab ich das Thema nach viel Zeitunglesen ziemlich satt.

Es gibt aber eine Frage im Zusammenhang mit Gruppenbildung innerhalb der Gesellschaft, die mich schon seit langem interessiert. Wie fühlen sich diesbezüglich eigentlich jüdische Deutsche? Ich meine nicht, migrierte und naturalisierte Juden in Deutschland, sondern diejenigen Leute, deren Familien teilweise seit Generationen hier ansässig sind? Sehen Sie sich als besondere Gruppe innerhalb der deutschen Gesamtgesellschaft oder sehen Sie sich als Deutsche, die einfach einer anderen Religion angehören, als die Mehrheit? Die Frage stieß mir sauer auf, als ein Bekannter vor einer Weile meinte, die Juden sollten sich dem "Gastland" Deutschland etwas mehr anpassen. Es stellte sich auf Nachfrage heraus, er sprach konkret von einer jüdischen Familie seiner Nachbarschaft, deren Vorfahren seit dem 16. Jhd. nachweislich in Deutschland ansässig waren. Meine eigene Familie (ich bin Rheinländerin und habe mich immer für eine Deutsche gehalten) ist erst Ende des 18. Jhds. aus den Niederlanden "migriert", wir sind katholisch. Ich meinte, da könne man wohl kaum von Gastland sprechen, es handele sich ja bei seinen Nachbarn wohl um Deutsche. Er meinte, er kenne genug Juden, um zu wissen, dass diese sich selbst als nichtdeutsche, zumindest als definierbare, andersartige Gruppe sehen. Manche seien sogar beleidigt, wenn man von ihnen einfach nur als Deutsche spreche. Seitdem ist mir ein paar Mal aufgefallen, dass z.B. im Zusammenhang mit dem Holocaust Denkmal in Berlin deutsche jüdische Organisationen in Beiträgen im Rahmen der Diskussion von "Deutschen" und "Juden" sprachen, wobei mit Juden eindeutig die jüdischen Deutschen gemeint waren. Jetzt bin ich konfus.Ich wäre von selbst nicht auf die Idee gekommen, zu differenzieren. Ich dachte es gibt Deutsche, die gehen (mehr oder weniger regelmäßig) in die Kirche, manche gehen in die Synagoge, manche auch in die Moschee, manchen ist die Religion herzlich egal, aber Alle, die einen deutschen Pass haben, weil sie ihn irgendwann mal selber beantragt haben oder weil sie, wie die jüdischen Nachbarn meines Bekannten, nun mal in Deutschland als deutsche Staasbürger geboren sind, sind für mich Deutsche. Beleidige ich wirklich jemanden damit? Ist das Jüdischsein für jüdische Deutsche wirklich ein so herausragender Teil der eigenen Identität oder wird ihnen das von den nichtjüdischen Deutschen angedichtet? Würde man mich nach den Faktoren fragen, von denen ich glaube, dass sie mich irgendwie "ausmachen" fragen, wäre meine Religionszugehörigkeit ein Faktor unter ferner liefen. Ist das wirklich so anders, wenn man Jude ist? Dürfen Juden keine normalen Deutschen sein?
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Rc_sylvester
****** Senior
Benutzername: Rc_sylvester

Nummer des Beitrags: 4531
Registriert: 04-2003
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Januar 2005 - 18:07 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Fossi, ich kann Ihnen nicht ganz abnehmen, dass Sie jüdisch-Sein so als Konfession unter andere deutsche Konfessionen subsummieren. Der Völkermord der deutschen Nichtjuden an den deutschen Juden ist erst zwei Generationen her. Ich muss bestimmt nicht ausführen, dass für Juden und die Nachkommen von Juden das Judentum eine ganz andere Ebene ist, als bloße Staatsangehörigkeit, nicht? Auch ohne die Schoah (über welche das Judentum nicht definiert werden darf) wäre es ähnlich. Eine Änderung der Staatsangehörigkeit greift nicht ins seelische Leben ein, aber Jüdischsein ist nicht so einfach zu ändern. Und selbst im Fall eines Austritts aus dem Judentum (so etwas gibt es, etwa beim Übertritt zum Christentum) werden die Wurzeln mitgenommen, und oft geht solch ein Schritt innerlich nicht gut. Das ist beim Wechsel der Staatsangehörigkeit freilich anders.

Insofern ist Beides als Kategorie nicht miteinander vergleichbar. Sie schreiben, dass für Sie der Katholizismus Ihrer Familie nur als Ferner liefen gilt. Für viele Juden gelten religiöse Werte und Normen des Judentums ebenfalls wenig. Jedoch ist Jüdischsein nicht nur religiös definiert: Genauso kulturell. Auch völlig areligiöse Juden empfinden sich meist als völlig jüdisch. Eine alte Dame, die Auschwitz überlebt hat (kürzlich ist sie gestorben), war seit den zwanziger Jahren kommunistisch und atheistisch. Trotzdem war es für sie nie eine Frage, jüdisch zu sein. Kein Widerspruch.

Ein Teil meiner Familie war seit dem achtzehnten Jahrhundert in einem Stedtl in Mecklenburg ansässig (dem einzigen dieser Art, das es dort gab). Als 1868 die Hansestädte durch Preußen gezwungen wurden, endlich ihre mittelalterliche 'Judenreinheit' aufzugeben, zog dieser Teil meiner Familie sofort nach Rostock. Meine Urgroßeltern bekamen die Staatsangehörigkeit von Mecklenburg-Strelitz, noch meine Großeltern hatten sie, erst mein Vater, 1920 geboren, hatte die deutsche Staatsangehörigkeit (vor 1918 gab es die nicht). Und?, waren das dann "normale Deutsche", wie Sie formulierten? Was ist daran normal, wenn sofort 1933 die Drangsalierungen gegen Juden begannen und 1936 mein Großvater umgebracht wurde, nachdem er nicht mehr als "normaler Deutscher" galt?

Es wird wohl nie zu klären sein, was ein normaler Deutscher ist, wenn so etwas möglich ist. Bin ich denn ein normaler Deutscher? Hmm. Ich gehe wählen und ich ziehe mehr über deutsche Personen des öffentlichen Lebens her als etwa über französische (wo ich lange gelebt habe). Aber ich habe kein deutsches National- oder Normalitätsgefühl. Allerdings habe ich kein großes Problem damit.

Bis vor ein paar Jahren galt in Sachen deutscher Staatsangehörigkeit sogar noch das steinzeitliche Ius sanguinis. Das scheint wohl noch in den Köpfen herumzuspuken, wenn davon die Rede ist, dass Menschen, die in dritter Generation hierzulande leben, Türken seien. Oder, wenn manche Leute wie instinktiv (bzw. als sog. Entgleisung) mal wieder "Deutsche und Juden" als begriffliches Gegensatzpaar gebrauchen - eine meist nicht so gewollte, aber nichtsdestoweniger genauso ausgedrückte Wiederbelebung der Nürnberger Gesetze von 1935.

Statt Deutsche (im Sinn von Nichtjuden) sollte man besser Mehrheitsdeutsche sagen. Aber das verstehen die Leute dann wieder nicht. Deshalb bleiben die Begriffe ähnlich eierig wie die Zugehörigkeiten.

Robert
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Jens-Peter
Unregistered guest
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2005 - 15:28 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Zu Selda Demir und Mirijam Günter hätte ich noch was anzumerken: Irgendwelche Verdächtigungen in Richtung "Deutsch-national" sind völlig unzutreffend. Ich weiß nicht, ob solche Verdächtigungen böswillig sind, aber m.E. braucht mensch nicht besonders scharfsinnig zu sein, um zu verstehen, daß "deutsch sein" hier eine Metapher für gesellschaftliche Integration, bzw. Ausgrenzung ist.

Was Miriam Günter sonst noch so schreibt, erfährt mensch bspw. durch googeln ihres Namens. Ich bin übrigens dabei auf dieses Forum gestoßen. Beim selben Google Vorgang stieß ich auch auf folgenden Text: http://www.jusos.org/modules.php?name=News&file=article&sid=261

Jusos, Antideutsche und FAZ, welchem dieser politischen Spektren ist Mirijam Günter zuzuordnen? Ich denke, keinem.
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Mm207
****** Senior
Benutzername: Mm207

Nummer des Beitrags: 2263
Registriert: 09-2000
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2005 - 19:48 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Jens-Peter,

Irgendwelche Verdächtigungen in Richtung "Deutsch-national" sind völlig unzutreffend

völlig richtig, aber hat jemand solche Verdächtigungen erhoben?

Monika

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