Religionsphilosophie
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Admin
Board Administrator
Benutzername: Admin

Nummer des Beitrags: 484
Registriert: 05-2002
Veröffentlicht am Montag, 02. Januar 2006 - 12:52 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Franz Rosenzweig
http://www.hagalil.com/judentum/philosophie/rosenzweig/religionsphilosophie.htm

Athen und Jerusalem

Philosophie und Religion hatten geschichtlich getrennte Entwicklungen, was stets zur traurigsten Verwirrung der Geister den Anlass gab. Tritt der junge jüdische Akademiker in die Lehrhallen der Universität ein, dann wird ihm gesagt: Griechenland ist das Land der Philosophie. Der erste Philosoph war Thaies von Milet. Er war es "zuerst", der das Wesen der Welt untersuchte, ihr "Sein" feststellen wollte; wenn er auch noch eine primitive Antwort gab. Auf ihrem Grunde aber erhebt sich dann der große, immer tiefer dringende Streit der jonischen Philosophenschulen, ob das Sein oder das Werden, die Zahl oder die Atome, die Ideen oder die Entelechie das Wesen der Welt ausmache, um zu ewig klassischen Höhenpunkten des Denkens zu führen. Vor allem sei unter den Griechen auch das Phänomen eines Sokrates entstanden, der in Überwindung der Sophisten die Tugend zum Problem gemacht und damit unter Opferung seines Lebens die Grundlage zu einer Ethik als Wissenschaft gelegt.
Dem jüdischen Studenten wird bei alledem etwas unheimlich zumute. Er hat in seiner Jugend Tagen doch etwas vom jüdischen Volke gehört, von Mosche und den Propheten, die alle noch mehr als tausend Jahre älter waren als diese griechischen Gedankenhelden, die mächtige Lehren über Welt, Mensch und Gott uns kund getan haben; über alle diese geht das philosophische Katheder mit Stillschweigen hinweg...
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Schuschan
* New Member
Benutzername: Schuschan

Nummer des Beitrags: 18
Registriert: 12-2005
Veröffentlicht am Montag, 02. Januar 2006 - 19:46 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Ich möchte hier einen Satz des großen jüdischen deutschen Religionsphilosophen und Bibelübersetzer Pinchas Lapide zitieren:
-Man kann die Bibel wörtlich nehmen oder ernst,beides zusammen geht nur schlecht.- Wie also soll man die Bibel nehmen "wörtlich oder ernst" ?
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Cajumi
* New Member
Benutzername: Cajumi

Nummer des Beitrags: 4
Registriert: 12-2005
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 18:56 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Schuschan,

ich glaube, das Zitat stammt von Ruth Lapide- dachte ich zumindest immer *korinthenkackermodus off*

LG,CaJuMi.
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Margitta
* New Member
Benutzername: Margitta

Nummer des Beitrags: 1
Registriert: 01-2006
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 21:09 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Hallo Hannes,

in welchem Zusammenhang steht das Zitat?

Ich habe den Text von J C etwas anders verstanden:

Wie kann eine Philosphie ohne Religion auskommen? Die „Krönung“ dieser Entwicklung findet man z. B. in der Erkenntnistheorie – dem systemtheoretischen Denken und dem Radikalen Konstruktivismus. Hier werden alle Lebewesen zu autopoietischen Systemen, also sich selbst erzeugende Systeme (auto-selbst, poiesis-erzeugend). Die Systemtheorie entwirft aus normativen Gründen keine Utopie für ein besseres Leben. Es fehlen die Sinngebung und ein Wertesystem, das es einem Subjekt ermöglicht einen Standpunkt einzunehmen und von dort her seine Motivation zum Handeln zu abzuleiten.

Der abgeklärte Systemtheoretiker handelt dann also nicht mehr. Das aber ist Handeln durch Unterlassen, woraus sich auch wieder ganz konkrete moralische Konsequenzen ergeben. Also braucht der Mensch ein ethisches System, dem sich verpflichtet fühlt. Es scheint derzeit, dass viele Menschen den Verlust eines Wertesystems wieder bewusster wahrnehmen. Also klagen sie religiöse Tugenden ein wie Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe, einen schonenden Umgang mit der Natur, etc. Einige meinen aber dabei ohne G`ttesbezug auskommen zu können.

Die Tora enthält meines Wissens nach ein sehr weit entwickeltes ethisches Denken. In ihr sind die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, zwischen den Menschen untereinander und zur Schöpfung geregelt. Sie wurde als eine Anleitung zum Leben gegeben: „Die Tora des Herrn ist vollkommen und erquicket die Seele“ (Psalm 19,8). Sie ist also nicht aus dem Nichts gekommen sondern wurde von G´tt gegeben. Eine Philosophie ohne Religion ist daher eine Wissenschaft ohne Seele. Soweit ich weiß, hat sogar Jürgen Habermas vor einiger Zeit eine Rückbesinnung auf religiöse Sinn-Ressourcen gefordert, um der „schleichenden Sinn-Entleerung der Moderne“ zu entgehen. Vgl. dazu folgenden link:

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/24969/

So habe ich den Text verstanden.

margitta
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Schuschan
* New Member
Benutzername: Schuschan

Nummer des Beitrags: 31
Registriert: 12-2005
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2006 - 21:45 Uhr:   Beitrag editieren Beitrag löschen Beitrag drucken    Beitrag verschieben (Nur für Moderatoren)

Hallo Margitta, willkommen in der virtuellen Welt in der ich selbst erst seit kurzem Gast bin.
Also das Zitat enstammt seinem Buch "Ist die Bibel richtig übersetzt`" ein Freund hat es mir geschenkt. Darin weist er viele Falschübersetzungen der Bibel nach die auch zu Antijudaismus führten und teilweise bis in unsere Tage mitgeschleppt werden.Er weist sogar Falschübersetzungen des NT nach. Der Schritt von der Philosophie zur Thora ist in der Tat eine Herausforderung. Aber Theologie und Philosophie sind eben getrennte Wissenschaften,wobei es für die Kirche schon im Altertum eine Herausforderung war Philosophen zu bekehren.

Gruss Hannes

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