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Tobias

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Posted on Wednesday, March 27, 2002 - 08:21 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo ihr Gläubigen,


da ihr alle freundlich und höflich mit einander umgeht, hoffe ich, dass ihr mir meine Fragen nicht übel nehmen werdet. Ich habe auch meine E-Mailadresse angegeben, um die Seriosität meines Beitrages zu unterstreichen.

Was mich (bald 30, katholisch getauft aber nicht gläubig) schon länger beschäftigt, ist die Frage nach dem Sinn der Religionen im Allgemeinen.

Ich glaube an die Wissenschaft - mir ist klar, dass auch das ein Glaube ist. Glaube ist meiner Meinung nach aus dem Versuch entstanden, Unerklärbares wie z.B. Vulkanausbrüche, die Sonne, Jahreszeiten etc. erfassbar zu machen. Alle wirklich alten Religionen (das Judentum ist, soweit ich weiß, noch relativ jung), die ich kenne, beten mehrere Götter an. Danach entstanden die "moderneren" Religionen mit dem Ein-Gott-Glauben.
Denkt ihr, dass das das Ende der menschlichen Entwicklung ist? Glaubt ihr, der Mensch sei "fertig"? Ich könnte mir - sofern wir uns nicht selbst bald auslöschen oder ein Komet die Erde trifft - vorstellen, dass sich im Laufe der nächsten 3-4 tausend Jahre der Glaube sehr wandeln wird.

Es wird immer Menschen geben, die lieber an Unfassbares als an sich selbst glauben. Daher wird der in immer technisierterer Umgebung aufwachsende Mensch möglicherweise anfangen, an Maschinen zu glauben. Stellt euch vor, die Entwicklung der letzten 50 Jahre setzt sich ebenso rasant fort: wie abstrakt mögen die Maschinen in 3000 Jahren sein? Welcher normale Sterbliche versteht schon, wie die Bilder auf seinem Fernsehbildschirm entstehen? Oder wie der Computer rechnet?

Worauf ich hinaus will ist, dass Glaube für mich eine Flucht vor der Realität ist. Eine Art Ausweg der Gedanken, der eine höhere Gerechtigkeit suggeriert. Marx hat den Satz zitiert (er ist nicht von ihm): Glaube ist Opium für´s Volk. Genau das denke ich auch.

Wenn ich mir z.B. die Geschichte der 10 Gebote ansehe, kann ich glauben, dass es einen Mose gegeben hat. Ich kann auch glauben, dass er arge Probleme hatte, "sein" Volk im Zaum zu halten. Was läge näher, als Verhaltensregeln aufzustellen? Und was läge weiterhin näher, als sich des erdachten Rückhalts einer nicht nachweisbaren Macht als Druckmittel (und nichts anderes ist der Gott dieser Geschichte) zu bedienen?

Ich bin in einer Welt voller Heuchler aufgewachsen die sich gegenseitig der Lüge bezichtigen, gezüchtet von einer Machtversessenen Führung - welche Partei gerade an der Macht ist, ist ziemlich egal (Politiker schwören auf Gesetzbücher - sie sollten auf ihren Unterleib schwören, der bedeutet ihnen wesentlich mehr). Keiner, den ich kenne, könnte vor dem Gesetz seiner eigenen Religion bestehen. Auch ich habe bis ungefähr zu meinem 24. Lebensjahr viel gelogen und gestohlen, aber ich habe mich erkannt und geändert.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott - so ein Quatsch. Besser wäre: Hilf dir selbst und sein Anderen ein Beispiel!

Genug nun. Ich lese selbst die Bitterkeit zwischen meinen Zeilen und frage mich, ob mir wohl jemand antworten wird.


Ich wünsche allen Menschen Frieden und denen, die ihn nicht wollen, den Tod.

Freundliche Grüße!

Tobias Grimm
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Karsten

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Posted on Thursday, March 28, 2002 - 10:45 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Tobias,
Du schreibst:

>Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott - so ein Quatsch. Besser wäre: Hilf dir
Ø selbst und sein Anderen ein Beispiel!

So ist das nicht richtig, richtig ist: hilf Dir selbst "sonst" hilft Dir G-tt.

Ich bekomme von meiner höheren Macht nie was ich will, sondern immer, in gerade noch tragbaren Päckchen, was gut für mich ist.
Meine Leben ist eine Anreihung von Zufällen. Irgend wann habe ich etwas erkannt: zufallen kann einem immer nur was von oben.
Und noch etwas ist für mich wahr. Den Glauben bekommt man nicht geschenkt, den muß man sich täglich schwer erarbeiten.
Natürlich kannste jetzt sagen: was für ein Humbug. Nur ob Dein Leben dadurch reicher wird? das mußt du selbst beantworten.
gruß
Karsten
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Miriam

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Posted on Thursday, March 28, 2002 - 12:16 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Tobias, bei allem Respekt - aber man sollte niemals jemanden den Tod wuenschen.
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Melody

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Posted on Thursday, March 28, 2002 - 03:43 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Der Meinung bin ich allerdings auch!! Karstens Bemerkung "Den Glauben bkommt man nicht geschenkt, den muss man sich täglich schwer erarbeiten" gefällt mir sehr gut.Genauso sehe ich das auch, und das Forum kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Ich kenne auch Menschen, die ihren Glauben entweder aus Angst vor einem rächenden G´tt oder sehr heuchlerisch leben. Nur darf man meines Erachtens nach nicht den Wert und Inhalt der Bibel bzw. der Thora mit dem Leben dieser Menschen verwechseln. Ich für meinen Teil lese momentan viel über die Hintergründe der Entstehung der Schriften. Dabei hat man den Vorteil, sich abseits der ausgetretenen Denkpfade einer Schrift nähern zu können, auf deren Boden so enorm viele Kulturen entstanden und die z.B. auf unsere Gesetze immer noch einen großen Einfluss hat.
Tobias, vergiss die Heuchler und versuch´s einfach mal so wie beschrieben-wenn´s dich denn interessiert.
Bis bald und an alle Schöne Feiertage!
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Tobias

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Posted on Thursday, March 28, 2002 - 12:29 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Karsten,

danke für deine Antwort. Du schreibst:

"Ich bekomme von meiner höheren Macht nie was ich will, sondern immer, in gerade noch tragbaren Päckchen, was gut für mich ist." - Selbst wenn man von sterbenden Kindern einmal absieht: Was ist mit den -zigtausenden Selbstmördern? Hat (ihr schreibt seinen Namen nie ganz aus, obwohl es nicht der "wahre" Name ist - warum?) die höhere Macht dann auf Grund einer Fehleinschätzung einige untragbare Päckchen verteilt? Oder ist das höhere "Gerechtigkeit"?

Ich habe - um zu wissen, was ich glauben kann und will - auch einmal die Bibel gelesen. Besonders gestört hat mich u.A. der Teil des Alten Testaments, in dem G-tt mehrmals "das Herz des Pharaos verstockt", damit er Israel nicht ziehen lässt. Dafür findet er später den Tod durch das Wasser - ist das göttliche Gerechtigkeit? Ich weiß nicht, ob ihr Juden diesen Teil auch in eurer Thora habt. Wenn ja, wie steht ihr dazu?

Übrigens: Den Glauben an sich selbst muss man sich auch jeden Tag schwer erarbeiten...


Gruß!

Tobias
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Karsten

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Posted on Saturday, March 30, 2002 - 12:07 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Tobias,
erst mal, ich bin kein Jude. Denn wäre ich einer, täte ich an Pessach hier nicht schreiben.
Zu Deiner Frage, wie kann der Ewige das zulassen wenn Kinder sterben usw habe ich meine eigene persönliche Erfahrung. Wenn ich selbst betroffen bin, habe ich das Recht zu fragen. Wenn ich nicht selbst direkt betroffen bin, habe ich nicht das Recht zu fragen. Es gibt aber sicher Fragen, auf die es keine Antworten gibt, die mir zugänglich sind.
Ich spreche ja immer nur von mir. Für mich ist das so. wie es für andere ist, kann ich nicht beurteilen.
Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Spiritualität. Wer nicht akzeptiert, dass es etwas größeres als ihn selbst gibt wird verrückt.
Ich glaube auch es gibt keine zwei Menschen deren Spiritualität gleich ist. Selbst wenn sie die selben Rituale und Gebete folgen. Glaube ist immer eine zutiefst individuelle Angelegenheit.

>Übrigens: Den Glauben an sich selbst muss man sich auch jeden Tag
> schwer erarbeiten...

dem widerspreche ich sicher nicht, nur hat das nur bedingt mit unserem Thema zu tun.

Gruß
Karsten
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Lasch

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Posted on Saturday, March 30, 2002 - 07:38 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Lieber Tobias,
Genau diese Frage habe ich in einer meiner Auslegungen der Torah besprochen. Zu finden unter:
www.hagalil.com/Judentum/torah/torah-heute/aegypten.htm. Die Plagen, von Eli Erich Lasch
Gruss
Eli Lasch
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Chris

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Posted on Monday, April 01, 2002 - 10:30 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Was ist schöner als eine Interpretation einer bestimmten Textstelle zu lesen? ...zwei Interpretationen zu lesen, die ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Z.B. in ../1744/2811.html"#f7f7f7">
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Goleshet

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Posted on Wednesday, April 03, 2002 - 10:04 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Zwischenfrage:

Tobias schrieb: "Alle wirklich alten Religionen (das Judentum ist, soweit ich weiß, noch relativ jung), die ich kenne, beten mehrere Götter an."

Mir fällt spontan eine Wer-Wird-Millionär-Quizsendung ein. Von vier Weltreligionen (Buddhismus, Hinduismus.. ?), die man chronologisch ordnen mußte, war das Judentum die älteste!

Wie alt ist es wirklich? also historisch betrachtet, nicht biblisch ;-)

mfg Goleshet.
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Lasch

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Posted on Thursday, April 04, 2002 - 06:05 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

@Goleshet,
Ich glaube, das weiss so genau keiner. Man weiss (glaubt) das König David um 1000 bce gelebt hat, und die meisten glauben, dass der biblische Pharao Ramses II (1290-1224) war. Das würde dazu passen, das die Bibel über Pitom und Ramses spricht und man letztens die neue Hauptstadt von Ramses entdeckt hat, die Pi-Ramses hies.
Das würde bedeuten, dass die Offenbarung am Sinai um 1250 BCE stattgefunden hat, und damit der Anfang der jüdischen Religion.
Eli Lasch