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Frank

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Posted on Friday, November 09, 2001 - 05:26 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

@All:

Bitte entschuldigt, wenn ich hier in Euer Forum einfach so reinplatze.

Mich würde einmal interessieren, wie das mit den Personen (Zusammenhänge) in der Bibel so ist. Also, Abraham usw. ... Wessen Vater war Moses? Wie geht diese Stammfolge von Anfang an, also Adam bis heute? Wer weiß hier etwas Bescheid oder kann mir hier einen Link einstellen, wo ich einen Stammbaum finden kann. Was geschah mit dem ersten unehelichen Sohn Abrahams? Wo sind also in diesem Sinne die Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten mit den anderen beiden Ein-Gott-Religionen.

Liege ich richtig, daß alle drei Religionen, also das Judentum, das Christentum und die Moslems den gleich Gott als Urvater haben? Wo sind die Unterschiede bzw. an welcher Stelle spaltet sich der Islam vom Ursprungsglauben? Hängt das mit der Stammfolge zusammen?

Vielen Dank für Eure Antwort

Gruß - Frank
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Hartmut

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Posted on Sunday, November 11, 2001 - 12:11 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Lieber Frank,

ich bin kein religionswissenschaftler, kann aber vielleicht einige Winke geben.

also erst einmal die Stammbäume: lies einfach die Bibel, insbesondere natürlich die genesis (1.Buch Mose). da sollte alles drinnstehen.

jetzt zu der natürlich auch wieder sehr aktuellen Frage nach dem verhältnis der drei monotheistischen religionen. Beim verhältnis Judentum/Christentum ists relativ einfach. Nach christlichem verständnis ist das AT (Alte testament) Ausdruck des ersten Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. In ihm wird verheissen, dass Gott auf Erden erscheinen wird ("der Messias"). Man kann es stark verkürzt, aber m.E. nicht unrichtig so sagen: Christentum, das ist derjenige teil des Judentums, der glaubt, dass in gestalt Jesus ("ich bin gekommen, die Schrift zu erfüllen") der Messias bereits erschienen ist. Die heiligen Schriften der Juden und der Christen sind zum teil identisch.

Etwas schwieriger wirds beim Islam. Mohammed hat - nach islamischem verständnis - von Gott heilige Worte empfangen. Diese heiliogen Worte kann man als - sagen wir mal - "Kommentar" zur Bibel deuten. Im Koran werden viele biblische gestalten - so Moses, so Jesus - und viele geschichtliche Ereignisse - so die Heimführung aus Ägypten - sehr lobend erwähnt, insbes. in den ersten Suren. Abraham, Moses, Jesus sind für den islam heilige Männer! Man kann den Islam, wiederum verkürzt, aber nicht unrichtig, als Erneuerungsbewegung von judentum und Christentum deuten. Mohammeds eigener Status ist dabei etwas komplex: Er ist Prophet, ist insofern heilig, ist aber nicht Gottes Sohn o.ä., sondern sehr wohl "nur" ein mensch, allerdings der entscheidende Mensch! Nämlich der inspirierte, der Gottes Wort - von Moses, von Jesus vorbereitet - nunmehr letztgültig im Koran gedeutet hat (natürlich bestreitet der Islam Jesus Gottesgeburt!). Mohammed ist ergo der heilige unter den heiligen, primus inter pares.

du siehst, wie tief die drei religionen historisch zusammenhängen. mir persönlich, als ungläubigem, ist der streit zwischen diesen drei monotheistischen varianten mit nichts nachvollziehbar. der streit zwischen judentum, christentum und islam kommt mir kaum grösser vor als etwa der zwischen evangelen und katholen - ist, wenn beim abendmal die oblate gereicht wird, diese oblate nun "lediglich" symbolisch oder ontisch "Christi Leib"??? Darum zoffen die sich!!! Um diesen Scheiss!!! Darum hat es religionskriege gegeben...irre!

alle drei religionen enthalten:
a) das tötungsverbot
b) das opferverbot
c) das gerechtigkeitsgebot
d) das liebesgebot

da die jüdische religion die älteste der drei ist - die beiden anderen sind, wie angedeutet, letztlich "nur" Kommentare zum Judentum! - sind alle Regeln bereits im Judentum vorhanden.

alle drei - von bestimmten fanatischen Sekten abgesehen - verlangen zumindest heute, jetzt gegenüber den anderen beiden monotheistischen religionen respekt und achtung; im weiteren respekt und achtung gegen jeden menschen. alle drei erlauben, ja, WÜNSCHEN das Konvertieren von Ungläubigen. Die jahrhundertelang mit gehässigem antisemitischen Unterton von der christlichen Kirche (oder DEN KircEN) vertretene Behauptung, der neue Bund (das neue testament) würde Gottes Bund erst ausdehnen auf ALLE Menschen, während das Judentum, böse, wie es sei, eben diesen Bund ethnisch beschränkt habe auf die juden, ist falsch. Auch das Judentum kennt und akzeptiert Konvertiten. Es kennt auch den begriff des "gerechten Nicht-Juden", dem es eine sehr, sehr hohe Stellung einräumt (bereits biblisch! Im letzter zeit bekannt geworden als "gerechter unter den Völkern" - Judenretter vor dem Nazi-Vernichtungswahn!)

Ich fasse zusammen: Im Grunde sind alle heute existierenden drei monotheistischen religionen, mit all ihren manchmal viel tieferen internen ausdifferenzierungen, wenn man so will "weiterentwicklungen" des - ich nenns jetzt mal so - "Urjudentums". Und für mich, ganz ehrlich, sind die theologischen Unterschiede weniger relevant als - jetzt zitiere ich das neue testament - die Weisheit des "an-ihren-Früchten-sollt-ihr-sie-erkennen". Die Idee - da können wir Christen und die Mohammedaner jetzt jodeln und strampeln vor Hysterie, ES IST EINFACH SO! - die Idee des einen und einzigen, Gerechtigkeit fordernden und Gerechtigkeit gebenden Gottes ist jüdisch, punkt. Aber wie ich damit umgehe, das ist m.E. Sache eines jeden. Ich als Ex-Christ (wenn ich denn je einer war) kann mit säkularen, auf Humanität und Toleranz verpflichteten Juden oder Mohamedanern mit sicherheit besser leben - und gar, als saufender Hdeonist, besser feiern - als mit irgendwelchen neu-apostolischen Christen, die heute noch ihre Kinder übers Knie legen weil: steht ja so inner Bibel.
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Juttagrimm

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Posted on Sunday, November 11, 2001 - 01:13 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Hartmut,
was du beschreibst, das würde ich - als aus dem christlichem Umfeld stammend- ohne weiteres meistens unterschreiben, wenn nicht....,
ja wenn ich nicht durch viele Diskussionen wüsste, dass im Judentum das alles ganz anders gesehen wird!Und zwar absolut anders!
Nun bin ich absolut kein Experte auf diesem Gebiet,doch würde ich dir empfehlen, mal auf den haGalil Seiten unter "Judentum" zu blättern.
Oder aber- viel besser!-, die jüdischen Teilnehmer an diesem forum, die sich recht rar machen, erbarmen sich deiner Wissbegier und geben dir entsprechende Tipps!
Schöne Grüße
Jutta
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Hartmut

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Posted on Sunday, November 11, 2001 - 01:16 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

inwiefern sehen die das anders?
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Juttagrimm

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Posted on Sunday, November 11, 2001 - 01:25 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Hartmut,
oweia,ich sags doch,ich bin kein Experte auf diesem Gebiet!Wo sind die Berufenen , die dir antworten können???
Also, unter dem Vorbehalt,dass ich nichts davon verstehe:Im Judentum ist es jedenfalls verpönt, andere zu bekehren ,und was zumindest die kath.Lehre von der Dreifaltigkeit betrifft, so sehen das viele Juden schon nicht mehr als Glaube an einen Gott an.Sie halten eher die Moslems für monotheistisch.Und das alte Testament hat eine ganz andere Bedeutung,als "wir" ihm geben.
Forsche unter "Judentum"!
Shalom!
Jutta
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Maika

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 09:10 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Jutta,

"Im Judentum ist es jedenfalls verpönt, andere zu bekehren"

ich denke nicht, dass Hartmut es als Bekehrung gemeint hat. Leider kann ich z.Zt. nicht nachsehen wo genau es steht, aber Juden waren und sind dazu angehalten jemanden der sich fürs Judentum interessiert zum Judentum hinzuführen. Allerdings nur dann und nicht als Bekehrungsversuch. Falls nötig suche ich die Quelle.

Liebe Grüße
Maika
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Hartmut

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 10:33 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

so ist es, danke Maika. Das Judentum verzichtet auf explizite Missionierung, erlaubt aber sehr wohl das Konvertieren, sofern dem ein ernsthafter Wunsch des Proselyten entspricht.
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Hartmut

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 10:46 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

so, und hier noch einighe talmud-zitate dazu, ich habe allerdings lediglich die thematisch sortierte auswahl in deutsch durch reinhold Mayer zur Verfügung (München, 1963 / 1980), kann also nicht beurteilen ob der text zuverlässig ist:
Jewamot 47 a/ 47 b (dt. auswahlausgabe: s. 229 ff), Bawa mezia 58 b (s. 230), worin empfohlen wird, dem proselyten das vergangene, natürlich nicht nach jüdischen gesetzen erfolgte leben nicht nachzutragen, nachdem er konvertiert ist etc.
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Hartmut

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 10:51 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

und noch eine ergänzung: natürlich muss das konvertieren ernsthaft gemeint sein, der konvertit wird darauf aufmerksam gemacht, dass es leiden bedeuten könne etc. SEHR beeindruckend (finde ich, und richtig finde ich es übrigens auch): zu zeiten des messias ist keinerlei übertritt mehr erlaubt!!! (s. 231 der mayer-asugabe, jewamot 24 b)
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Oli

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 10:59 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Hartmut,

was du dargestellt hast, ist, wie Jutta richtig vermutete, die rein christliche Darstellung. Aus meiner Sicht als Jude hat das Christum eigentlich fast nichts mit meiner Religion zu tun und ich würde es fast darauf reduzieren (wie du am Ende), dass ein Teil der Schriften identisch sind. Aber selbst hier baut das Judentum die mündliche Lehre dazu, welches dazu führt, dass fast alle Auslegungen stark von einander abweichen. Selbst auf den Moschiach bezogen hat das, was die Christen daraus gemacht haben, nichts mehr mit den jüdischen Vorstellungen eines Königs zu tun.

Wir sollten alle drei Religionen nebeneinander stehen lassen, als eigenständige Gebäude und nur daraus lernen, dass einige Bausteine aus dem selbsen Steinbruch kommen - aber nicht mehr.

Schalom,
Oli
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Frank

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 12:22 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Oli,

> Wir sollten alle drei Religionen
> nebeneinander stehen lassen, als
> eigenständige Gebäude und nur daraus
> lernen, dass einige Bausteine aus
> dem selbsen Steinbruch kommen - aber
> nicht mehr.

wenn wir sie "nur" stehen lassen, trägt dies m. E. nicht viel zur Verständigung bei, oder?

Frank
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Hartmut

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 12:57 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Lieber Oli,

das akzeptiere ich selbstverständlich.

Zunächst eine Berichtigung: Meine Sicht ist nicht die christliche. Denn aus christlicher Sicht hat das Judentum - ausser ein paar Schriften - ebensowenig etwas mit dem Christentum zu tun wie aus Ihrer Sicht als Jude. Aus christlicher Sicht - man ist heute natürlich zu verschämt, dies deutlich zuzugeben - ist es resp war es jahrhundertelang eben gerade so, dass die Juden besonders massiv angegriffen wurden, eben weil sie Jesus nicht anerkannt haben (lies: nicht bereit waren, ihre jüdische Identität zu verleugnen). Und selbst heutige liberale Christen, die keinerlei Missionierungsversuche mehr vornehmen würden, würden - ganz in Ihrem Sinne - sagen, dass die heilige Dreieinigkeit (röm-kath) bzw Dreifaltigkeit (ev.luth - oder umgekehrt?) sowie die Leidensgeschichte des eingeborenen Sohns es gewährleisten, dass substantielle Unterschiede zw judentum und christentum bestehen. Selbstverständlich würde jeder liberale Christ - so wie Sie auch! - Toleranz akzeptieren, und das ist ja auch das wichtigste. Aber eine "letztliche Identität" zwischen den drei monotheistischen religionen zu behaupten, das ist, mit Verlaub, ein säkularer, ein agnostischer Gedanke. Kein gläubiger Christ (und kein gläubiger Moslem, und - wie Sie selber sagen - kein gläubiger Jude) würde das unterschreiben. (Anmerkung hierzu: Es gibt inzwischen, etwa durch den Christen Walter Jens, Ansätze dazu, es so zu sehen! Auch jüdische oder moslemische Ansätze dazu gibt es. Es ist aber derzeit - noch? - nicht die offizielle Auffassung der betreffenden Kirchen. Ich bedaure das - als Ungläubiger - ein bisschen. Es könnte zumindest auf lange Sicht helfen, die Situation zu entkrampfen. Im übrigen sind ´die´ Moslems hier weiter als ´die´ Juden oder Christen - wenn auch im Augenblick leider nur in der Gelehrtenstube: Für ´die´ Moslems waren Juden und Christen niemals "Ungläubige", sondern, als schriftbesitzende Monotheisten, gleichsam auf dem Weg zum rechten Glauben)

Meine Sicht ist die Sicht eines Ungläubigen. Und ich bleibe dabei - die Identitäten zwischen den drei monotheistischen Religionen überwiegen für mich. Ich weiss, dass es die Gläubigen anders sehen - sogar innerhalb der christlichen Konfessionen (ich erwähnte bereits den m.E. aberwitzigen Streit darüber, ob christi leib nun ontisch (röm.kath.) oder lediglich symbolisch (Luther) im heiligen Abendmal anwesend ist....) Wir sollten uns hier auch nicht streiten. Ich akzeptiere, dass es für - zum Beispiel - diverse evangelische Gruppen oder für die röm-kath. Kirche Dinge gibt, die von Aussenstehenden wie mich als lächerliche Lappalie wahrgenommen werden, dort aber eine Wiedervereinigung der christlichen Kirchen (seit einiger Zeit durchaus ernsthaft diskutiert!) verunmöglichen.

Ich will und werde niemandem seine Differenz wegnehmen. Ich will und werde niemandem die jeweiligen heiligen Schriften und Kulte wegnehmen (und könnte dies Nietzsche-sei-Dank auch gar nicht)

Aber ich möchte, denn hier geht es auch um Politik, schon darauf aufmerksam machen, dass angesichts der m.E. (zugegeben als Nichtgläubigem) substantiellen Identitäten aller drei monotheistischen Religionen - insbesondere Tötungs-und Opferungsverbot, Gerechtigkeits- und Liebesgebot - die Unterschiede marginal vorkommen. Als Agnostiker finde ich es masslos deprimierend, angesichts der mörderischen Religionszwistigkeiten in der Welt im Koran von der Heimführung aus Ägypten (zusamt geteiltem Meer!) zu lesen, im Koran Abraham, Moses und Jesus als heilige Männer verehrt zu finden. Und der gläubige Jude Herman Wouk (Autor von Caine mutiny, winds of war etc) notiert: "nationen und Personen, die nach diesen geboten (Anm. H.: im wesentlichen die oben genannten, siehe aaO unten) lebten, sind nach dem ausspruch des talmud die gerechten der welt. Unser Glaube (also der jüdische, Anm. h.) erkennt an, dass es Menschen, die nicht zur jüdischen Glaubensgemeinschaft gehörten, zu einer Frömmigkeit gebracht haben, die nur wenige Sterbliche erreichen können. IHRE ERLÖSUNG ANZUZWEIFELN, KOMMT FÜR UNS (JUDEN, Anm.h.) NICHT IN FRAGE (Hervorhebung h.). Nach unserer Überlieferung war Hiob, die höchste Verkörperung des auch im tiefsten leid gläubigen Menschen, einer der gerechten dieser Welt und kein Jude." (Wouk, Herman, Dies ist mein Gott, Hamburg, 1984, s. 34 ff)Weitere belege gibt es in Hülle und Fülle.

Sie haben sich sehr sympathisch zum Judentum bekannt. Insofern bin ich Ihnen auch mein "Glaubens"bekenntnis als Agnostiker schuldig. Denn ich möchte mich hier keinesfalls in eine begönnernde Meta-Position hineindeklamieren ("Jaja, ihr lieben Judenchristenmoslem-Kinder, macht ihr ja schon ganz brav mit Euren gerechtigkeitspostulaten! Ich, der ´grosse´ Papa hartmut finde das ganz toll von Euch! Nur müsst ihr jetzt noch ganz brav allein an die universalistische Ethik glauben. Aber Ihr seid schon auf dem rechten Wege!") Nee, so mein ichs nicht. Ich stehe hier mit meinem "Glaubens"bekenntnis da so wie Sie mit Ihrem; völlig gleichberechtigt.

Also, woran "glaube" ich?

Ich glaube in der tat allein und ausschliesslich daran, dass jeder jeden achten und respektieren sowie jeder jedem gerechtigkeit zuteil werden muss. Ich glaube demnach (da im deutschen Sprach- und Kulturbereich aufgewachsen) an die vom Juden mendelson und vom Christen kant entwickelte universalistische Ethik. Historischer Hintergrund dieser Ethik ist die vom Islam dem Abendland vermittelte antike Ethik Platos und Aristoteles´. Ich halte die tatsache, dass alle drei monotheistischen relkigionen in dieser Ethik sozusagen ´anwesend´ sind für kein Zufall.

Woran ich, im gegensatz zu den religionen, explizit NICHT glaube ist das Liebesgebot. Empathie ist nicht einklagbar! Es kann sein, dass ich Sie nicht mag oder Sie mich nicht! Macht nix! Ist sogar zutiefst erlaubt, da in persönlichen Verhältnissen die freie Entfaltung, also auch die freie Freundeswahl, erlaubt sein muss. Aber respektieren müssen wir uns. Platt gesagt: Eine Einladung zu ihrer Hochzeit kann ich nicht einklagen. Aber dass Sie mich NICHT angreifen, dass Sie meine Lebenschancen nicht vorsätzlich beschneiden, das kann ich einklagen (und vice versa natürlich!).

Woran ich - und da krankts dann - ebenfalls nicht glaube, und nicht glauben kann aus bestimmten, hier nicht zur Debatte stehenden Gründen, ist der eine Gott (ob nun im Rahmen einer Dreiaspekten-lehre als Dreifaltigkeit gedeutet oder wie auch immer).

Aber ich denke, dass es zwischen den drei monotheistischen Religionen, dem Säkularen und auch den anderen Weltreligionen, sofern sie die Grundregeln, die minima moralia akzeptieren (der Buddhismus zum Beispiel tut es ersichtlich, auch, wenn es durchgeknallte Popcorn-cocacola-Buddhisten gibt...), genug Einigkeit gibt, um erträglich miteinander zu leben.

Wollen wir nach diesem langen Posting so verbleiben, dass ich Ihre Antwort - sofern Sie eine zu erstellen wünschen - einfach mal so hinnehme?

mfg

hartmut
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Hartmut

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 01:02 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

@ frank

doch, das genügt!!! oder erwartest Du von einem Juden/Christen/Moslem/Buddhisten/Hinduisten/_________________ (entsprechendes anhacken, resp sonstiges einsetzen!), dass sie / er (entsprechendes anhacken!) für die Religionen Judentum/Christentum/Islam/Buddhismus/Hinduismus____________________(entsprechendes anhacken resp. weiteres einsetzen!) MEHR aufbringt als Toleranz???

Mehr als Toleranz ist nicht drinn, und mehr BRAUCHTS AUCH NICHT!
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Bina

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Posted on Monday, November 12, 2001 - 03:20 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

NUR Toleranz?

Tolererieren kann ich auch einen Raucher im Nichtraucherabteil eines Zuges - obwohl mich die Qualmerei mächtig stört.

Ich habe hier in der Vergangenheit eine sehr eindrucksvolle Bitte (Dank an Anna1) gelesen, da gings um sehr viel mehr als nur um Toleranz.

Es ging um Achtung und Respekt:

"So wie das Judentum alle anderen Religionen achtet, bitten wir um Respekt vor unserer Religion und vor jüdischen Gebräuchen."
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Gesine

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Posted on Tuesday, November 27, 2001 - 04:57 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo,
ich habe nicht alles gelesen - daher entschuldigt bitte, wenn ich vielleicht etwas doppelt erwähne.
Das Judentum war zu erst. Soweit ist ja alles klar.
Abram hatte von G'TT die Verheißung, dass er Nachkommen haben werde. Auf Grund Sarais Unfruchtbarkeit bot sie ihm ihre ägyptische Magd Hagar an. Mit ihr zeugte er Ismael.
Über Ismael wird gesagt, dass er das Temperament eines Wildesels haben (also ein wilder Mensch) und das seine Hand gegen jeden und jedermanns Hand gegen ihn sein würde.
Die Ismaeliten sollen, so weit mir bekannt ist, die Araber sein.
Aus dem Judentum entwickelte sich dann das Christentum und danach erst der islamische Glaube.
Das höchste Ziel des Islam ist es, alles jüdische und christliche zu vernichten. DAS steht so im Koran. So lange es auch nur einen Juden gibt, ist dies ein Zeichen der Schwachheit Allahs. Also nix mit Tötungsverbot im weitesten Sinne!!!
Und was die Toleranz angeht, so ist das eine lange Geschichte. Denn immerhin tolerieren es die Juden, dass an der Stelle des ehemaligen Tempels eine moslemische Moschee steht usw.
Und was das Missionsverbot der Juden angeht, so denke ich, dass man auf ehrliche Fragen anderer ruhig antworten sollte. Oder beinhaltet das bloße ANTWORTEN schon das Ziel des Missionierens???
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Kostikk

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Posted on Wednesday, November 28, 2001 - 02:17 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Natürlich beantworten wir Fragen zum Judentum!
Gib einfach hier links Judentum in die Suchmaschine ein, du wirst erstaunt sein, wie viele Informationen du findest!
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Doris

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Posted on Monday, December 03, 2001 - 08:23 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ich habe ein paar Fragen zum Thema Jesus. Als Christ wurde mir in der Schule beigebracht, dass Jesus für die Juden ein Prophet war. Da das Alte Testament vor der Geburt Jesu endet, wo in religiösen jüdischen Schriften gibt es eine Erwähnung über Jesus? Gibt es sie überhaupt? Bei Josephus taucht er meines Wissens überhaupt nicht auf. Außerdem behauptet eine Freundin, die einer kleinen Glaubensgemeinschaft in den USA angehört, Jesus habe es auch im Alten Testament schon gegeben. Er wäre es zum Beispiel gewesen, der aus dem brennenden Dornbusch sprach. Ich teile diese Ansicht nicht, aber mich würde interessieren, wie ein gläubiger Jude so eine Behauptung auffaßt. Ist das Gotteslästerung?
Wir haben nämlich derzeit auch eine Diskussion, welche Menschen welcher Religion in den Himmel kommen. Ich bin ja der Ansicht, dass es nichts zur Sache tut, welcher Religion sie angehören. Aber sie denkt, nur durch den Glauben an Jesus als Sohn Gottes käme man dort hin. Und damit die Juden auch in den Himmel dürfen, weist sie auf verschiedene Textstellen des Alten Testaments hin, in denen Jesus erwähnt wird (allerdins nicht mit seinem Namen, sondern als Messias usw.). Im Gegensatz dazu dürften ihrer Ansicht nach die Moslems nicht in den Himmel, weil sie Jesus nur als Propheten sehen. Immerhin hat er ja im Koran eine ziemlich große Bedeutung. Also, ich teile diese Ansichten überhaupt nicht, aber ich würde mich für verschiedene Meinungen interessieren.
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Doris

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Posted on Monday, December 03, 2001 - 09:10 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Der jüdische Schriftsteller Leo Noussimbaum hat unter dem Pseudonym Essad Bey eine Biografie über Mohammed geschrieben. Hier ein Auszug:
"Er (Mohammed) entdeckte, dass alle Völker der Welt seit Anbeginn aller Zeiten nur eine Wahrheit besaßen, stets ein und dieselbe Wahrheit von Gott empfingen, sie jedoch im armseligen, irdischen Dasein vergaßen, vernachlässigten und mit Unwahrheiten vermischten. Die Erforschung der ursprünglichen, reinen und einzigen Wahrheit heißt Islam. Mohammed war kein Religionsstifter, er wollte keine neue Wahrheit entdecken, er wollte nur die alte in neuem Glanz auferstehen lassen. Er war Reformator, und der Islam, den er predigte, war für ihn nur die Auferstehung des Urglaubens der Welt.
Durch Jahrtausende, durch Jahrmillionen gibt es in der Welt nur eine Wahrheit. Gott der Unfaßbare, der Unerkennbare, sandte sie der Menschheit. Durch das ganze Dasein der Welt, durch alle Völker und Kulturen, durch alle Zeiten und Reiche zieht sich die unendliche Reihe der Propheten, der Frommen, denen Gott befahl, der Menschheit die Urwahrheit zu verkünden. Der Prophet ist kein Heiliger, kein Wundertäter, kein Besessener, er ist nur ein Mensch, durch dessen Mund Gott zur Menschheit spricht....
Die Völker der Welt zerfallen für Mohammed in zwei Teile, in die Völker der Schrift und in die Völker, die keine Schrift empfingen. Die Völker der Schrift sind die Juden und Christen. Durch das Wort Mosis und Christi empfingen sie die Wahrheit, die ihnen Gott in seiner Gnade sandte. Da aber die Worte der Propheten nicht sofort fixiert wurden, entstanden aus der ursprünglichen Einheit Sekten und Richtungen, von denen jede einen Teil der Wahrheit besitzt, die ganze Wahrheit aber verleugnet. An und für sich sind aber für Mohammed Judentum, Christentum und Islam identisch.
Da alle Worte vergessen und falsch gedeutet wurden, sandte Gott zum letztenmal der Menschheit einen Propheten, der nun noch einmal alles wiederholen sollte, was die Propheten des Altertums verkündet hatten, der alle Religionen zu ihrer ursprünglichen Einheit und Reinheit zurückführen würde, um damit das einheitliche Reich Gottes auf Erden zu hinterlassen. Dieser Letzte in der langen Reihe der Propheten, dieses Schlußsiegel des Prophetentums ist Mohammed, der Gesandte Gottes. Deshalb enthält seine Lehre auch nichts, was der alten Welt, den alten Religionen unbekannt ist. Deshalb unterstreicht der Islam alles, was in seinem Dogma sich mit der Welt des Christen- und Judentums deckt. Predigten doch Moses und Christus nichts anderes als den reinen Glauben.
Wie Kolumbus nicht wußte, dass er einen neuen Erdteil entdeckt hatte, wußte auch Mohammed nicht, dass er eine neue Religion ins Leben rief. Bis zu seinem Tode wiederholte er, dass der Islam der Menschheit nichts Neues bringen wolle."
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Iris

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Posted on Wednesday, December 05, 2001 - 10:40 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo Doris,

kann es sein, daß Sie da was falsch in Erinnerung haben? Meines Wissens gilt im Islam, daß Jesus ein Prophet war. Im Judentum gilt er als Mensch. Der jüdische Religionswissenschaftler Pinchas Lapide hat es in einem Buchtitel so formuliert: „Jesus - ein gekreuzigter Pharisäer".

In der mündlichen Tradition des Judentums gibt es einige kurze Erwähnungen. Zeitlich wäre das um die Periode der Kirchenväter anzusetzen. Dabei geht es eher um eine innerjüdische Polemik im Sinne einer Abgrenzung Judentum - Christentum.

Sie schreiben:
„Außerdem behauptet eine Freundin, die einer kleinen Glaubensgemeinschaft in den USA angehört, Jesus habe es auch im Alten Testament schon gegeben. Er wäre es zum Beispiel gewesen, der aus dem brennenden Dornbusch sprach. Ich teile diese Ansicht nicht, aber mich würde interessieren, wie ein gläubiger Jude so eine Behauptung auffaßt. Ist das Gotteslästerung? „

In der christlichen Theologie gibt es das Konzept der „Präexistenz", das ja auch in diversen christlichen Glaubensbekenntnissen formuliert ist. Damit ist gemeint, daß Jesus nach christlichem Verständnis schon „vor aller Zeit" existiert hat.
Wie das zu deuten ist, darüber streiten sich die christlichen Theologen, und das müßten Sie deshalb besser in einem solchen Forum erfragen.

Fundamentalistische Christen leiten - wie die Gruppe Ihrer Freundin - daraus ab, daß Jesus mit G-tt identisch ist und folglich wie sie es dann formulieren „im Alten Testament vorkommt".
Für einen Juden - egal ob mehr oder weniger oder gar nicht gläubig - ist dieses Konzept absolut inakzeptabel, denn G-tt ist EINER.
Über die haGalil Suchmaschine können Sie in einem Beitrag von Meir Seidler nachlesen, was dies bedeutet. Es handelt sich um eine Leseprobe aus seinem Buch „Schma Jisrael - Einheit - die jüdische Sicht".


Sie schreiben:
„Aber sie denkt, nur durch den Glauben an Jesus als Sohn Gottes käme man dort hin. Und damit die Juden auch in den Himmel dürfen, weist sie auf verschiedene Textstellen des Alten Testaments hin, in denen Jesus erwähnt wird (allerdins nicht mit seinem Namen, sondern als Messias usw.)."

Auf der Seite Juden für Judentum gegen Judenmission finden Sie eine ganze Reihe Beiträge darüber, wie der Messias im Judentum gesehen wird sowie Erwiderungen aus jüdischer Sicht zu Jesaja 53 u.a. von Christen herangezogene „Belegstellen".

Für die andere Frage wäre ein muslimsches Forum der günstigere Ort. Schauen Sie doch mal bei http://www.islam.de oder http://www.huda.de vorbei.

Aus jüdischer Sicht ist die Torah als Offenbarung am Sinai gegeben (schriftliche und mündliche) - darüber hinaus gibt es keine anderen Offenbarungen.

Mit freundlichen Grüßen

Iris