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herwanger

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Posted on Saturday, August 26, 2000 - 12:46 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Von einem Freund gebeten, ihm zu definieren, was aus jüdischer Sicht ein guter Mensch ist, stehe ich ziemlich dumm da. Ist es überhaupt möglich, dies eindeutig zu definieren? Ist ein guter Mensch derjenige, der alle Gebote einhält? Dann könnten ja aber Nichtjuden nie gute Menschen sein (Und was ist dann mit Mahatma Ghandi?). Oder ist ein guter Mensch einer, der (wissentlich oder unwissentlich) das Gebot der Nächstenliebe einhält?
Es ist sowieso erst einmal die Frage, wovon hängt ein guter Mensch zu sein überhaupt ab? Liegt es an den Taten eines Menschen? Liegt es an der Prägung eines Menschen oder an seinem glauben?
Nach studien einiger Schriften über das Judentum und Teilen des Talmud, neige ich dazu, einen Menschen, der das Gebot der Nächsten- und Selbstliebe, das vom Vertrauen auf Gott und der Liebe zu Gott abhängt, einhält, als guten Menschen zu definieren.
Ist das zulässig, oder ist das zu christlich gesehen und interpretiert?
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Humanitas

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Posted on Sunday, August 27, 2000 - 04:03 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Antwort an Herwanger,

Was macht - aus jüdische Sicht - einen guten Menschen aus ? Aus jüdischer Sicht kann ich die Frage nicht beantworten, als Christ aus christlicher Sicht will ich nicht. Wie wäre es aus menschlicher Sicht, mit Hilfe C.-G. Jung und S.Freud u.a. ?

Sie erwähnen Mahatma Ghandi als Beispiel für den guten Menschen. War er einer ? Schlägt ein guter Mensch seine Frau ?

Auch gute Menschen tragen ihren Schatten mit sich ! Er ist da, wenn man ihn am wenigsten erwartet.

Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Weisheit Blaise Pascals erinnern, der die Menschen daran erinnerte, dass sie weder Engel noch Tiere seien, und mahnend hinzufügte, dass derjenige, der zum "Engel" werden will, meistens als Bestie endet.(*)

Akzeptieren wir also unseren Schatten, seien wir ein bisschen weniger "Engel", oder psychologisch ausgedrèückt: schrauben wir unser Ich-Ideal nicht zu hoch dann bleibt auch die Bestie in uns ein zahmes Haustier.

Solche Menschen habe ich in meinem nahezu 5o ig jährigen Leben kennenlernen dürfen, ob jüdisch, christlich, Muslem oder Buddhist; ob gelb, schwarz oder braun. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Den wahrhaft "guten Menschen" von Sezuan finden Sie auch bei Bertholt Brecht:"Euer einstiger Befehl /gut zu sein und doch zu leben / zerriss mich wie ein Blitz in zwei Hälften....gut sein zu den anderen / Und zu mir konnte ich nicht zugleich. Ach, eure Welt ist schwierig."

Wer auf den ersten Blick gut ist muss es auf den zweiten nicht sein siehe bei Shakespeare(König Lear).

Ist "gutsein" ein resulat der Education,der Religion, eine Frage des puren Wollens, der Gene oder gar der Sterne ?

Gute Menschen tragen ein Kainsmal auf der Stirn, sie strahlen aus der Tiefe ihres Inneren, sind zufrieden mit sich, Gott und der Welt. Ich dar es jeden Tag erleben.

Gute Menschen sind offen und tolerant, es macht Spass mit ihnen Umgang zu haben. Sie urteilen und verurteilen nicht, sie kennen weder strengste Prinzipien nach denen sie leben und von denen sie wollen, dass die anderen sie im gleichen masse leben, noch Kategorien in die sie ihre Mitmenschen einordnen.

Sie sind einfach gut zu anderen und zu sich selbst.

(*) Josef Rattner, "Tiefenpsychologie und Religion".

Agnès
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Inge

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Posted on Monday, August 28, 2000 - 02:16 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo herwanger,

ich finde das Fazit, dass Sie selbst gezogen haben sehr treffend. So würde ich auch einen guten Menschen sehen. Allerdings gibt es im Judentum keine Dogmen und es gibt sicher andere, die einen guten Menschen anders definieren würden.

Gut Woch!
Inge
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herwanger

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Posted on Tuesday, August 29, 2000 - 05:51 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Liebe Agnès
Sicher müssen wir unsere Schatten akzeptieren und können nicht nur "guter Mensch" sein. Aber darum geht es ja gar nicht. Es ist nicht die Frage: "Ist es möglich ein rein guter Mensch zu sein?", sondern: "Was macht einen guten Menschen aus?"
Und wenn wir wissen, was (für uns) einen guten Menschen ausmacht, ist es fraglich, ob wir versuchen sollten, dieses Bild zu erreichen. Ich behaupte nein. Denn gut sein ist für mich zweckfrei, also auch nicht willentlich beeinflussbar, sondern ein inneres Bedürfnis aufgrund unserer religiösen und gesellschaftlichen Prägung. Oder extremer ausgedrückt, willentlich ein guter Mensch zu sein, kann dem "wirklich ein guter Mensch sein" sogar im Wege stehen, paralell zum richtigen und falschen Fasten (Jesaja 58).
Was bringt mir ein Gegenüber, das immer nur freundlich lächelt und nie widerspricht, weil es sich vorgenommen hat, ein guter Mensch zu sein und dabei brodelt es in ihm? Wie Sie schreiben, müssen gute Menschen offen und tolerant sein. Das denke ich auch, aber noch wichtiger ist für mich, dass sie ECHT sind.

Brauchen wir vielleicht nicht trotzdem ein Idealbild eines guten Menschen? Nicht, um es zu erreichen, sondern zur Orientierung, so wie sich die Seefahrer vor der Erfindung des Radars an den Sternen orientiert haben, ohne die Sterne erreichen zu wollen.
Viele Grüße
Bernd
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Micaela

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Posted on Thursday, August 31, 2000 - 11:31 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ich glaube schon, Herwanger, dass jeder Mensch versuchen sollte ein 'guter Mensch' zu werden; das unterscheidet uns doch von den Tieren, dass wir willentlich bewußt handeln können.
Für mich macht einen guten Menschen aus dass er in Höhen und Tiefen da ist, auch einmal widerspricht, liebevoll! widerspricht wenn es nötig ist- und liebevoll bestätigt, wenn das angebracht ist. Das beständige für den anderen da sein finde ich besonders wichtig und auch schwierig- es setzt ein hohes Maß an Selbstlosigkeit voraus; und das ist m. E. unabhängig von der Religionszugehörigkeit, einfach 'menschlich'.
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Pfs

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Posted on Friday, September 01, 2000 - 06:34 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

es gibt zwei dinge die mich persönlich zum menschen machen und so auch menschlich. das eine ist das wissen das es ausser G`TT nichts über mir gibt und das zweite das es niemanden gibt der niedrieger ist als ich .

gut shabbes
PFS
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pandora

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Posted on Thursday, September 07, 2000 - 09:38 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

ich finde, dies ist eine sehr interessante diskussion. leider kann ich die ausgangsfrage auch nicht beantworten, weil nicht jüdisch, aber die antwort würde ich trotzdem gerne erfahren.
aber ich denke ein guter mensch ist der, der in der lage ist, mitleid zu empfinden, und danach zu handeln. das geht für mich ein bißchen weiter als das gebot der nächstenliebe. denn jemand, der mitleid empfindet, hat auch die möglichkeit, gegen das übel aller art vorzugehen, die nächstenliebe schränkt dies doch sehr ein - gerade wenn man zb den einsatz von friedenstruppen anschaut.
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avi

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Posted on Friday, September 08, 2000 - 09:00 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

nur ein Zitat: kennt ihr wahrscheinlich alle. Wenn du nicht für den anderen bist, wer wird es sein? Wenn du nur für den anderen bist, wer bist du? Niemand ist per Geburt o.ä.. >>gut>schlecht<<). Das muß man immer wieder neu erlernen. Das ist eine immer neu aufgenommene freiwillige Anstrengung. Das ist meine Meinung. avi
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daniell

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Posted on Saturday, September 09, 2000 - 06:36 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

nur eine kleine anmerkung zu :
"Ist ein guter Mensch derjenige, der alle Gebote einhält? Dann könnten ja aber Nichtjuden nie gute Menschen sein "
das stimmt nicht, da nicht-juden laut tora glaube ich nur 7 gebote/verbote befolgen muessen.
gruss
daniel
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pandora

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Posted on Monday, September 25, 2000 - 09:48 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

"...die geschichte nennt diejenigen als die größten männer, die, indem sie für das allgemeine wirkten, sich selbst veredelten. die erfahrung preist den als den glücklichsten, der die meisten glücklich gemacht... wenn wir den stand gewählt, in dem wir am meisten für die menschheit wirken können, dann können uns lasten nicht niederbeugen, weil sie nur opfer für alle sind..." sagt karl marx. dies entspricht auch meinem ideal vom guten menschen. derjenige, der sich nicht für wichtig nimmt, sondern für andere lebt. ist das auch ein motiv im jüdischen glauben?